Sichere Ansteuerung zur Playa Francesa
Playa Francesa (≈ 29° 13,4′ N / 13° 31,1′ W) liegt in der Südost-Bucht von La Graciosa. Die gängigste Ansteuerung erfolgt von Süden, vorbei an Punta Fariones und durch den gut betonnten Río-Kanal. Die grüne Stabtonne “Río 3” bleibt an Backbord; ab dort ist der weiße Leuchtturm auf Punta Suerte nützliches Richtzeichen. Direkt vor der Bucht fällt das Land nach Nordost ein, markant durch die ockerfarbene Montaña Amarilla. Die Einfahrt ist frei von Untiefen, doch bei beständigem Nordost-Passat (15-25 kn) steht quer zur Bucht ein kurzer Kabbel; ausreichende Maschine und bereitliegende Ankerwinsch erleichtern das Manöver. Nachts fehlen Befeuerung und Hintergrundlichter – wer spät kommt, weicht besser auf Marina Rubicón oder Puerto Calero aus und läuft im ersten Morgenlicht ein.
Chinijo-Inselgruppe: Ankerparadies mit Schutzღbestimmungen
Die gesamte Chinijo-Inselgruppe ist Meeresschutzgebiet. Zum Ankern oder zur Nutzung einer der gelben Parkbehörden-Bojen ist ein kostenloses Permit nötig, das spätestens fünf Tage vor Ankunft beim Cabildo de Lanzarote beantragt werden sollte – sonst drohen Platzverweise oder Bußgelder. Die klassische Ankerzone erstreckt sich nördlich des markanten Lava-Riegels Punta del Pobre. Tiefe: 3 – 8 m, reiner hellgelber Sand mit vereinzelten Seegrasmatten. Ein 25-kg-CQR grub sich bei 25 m Kette nach anderthalb Metern Rückwärtsfahrt kompromisslos ein. Ruckdämpfer sind dennoch sinnvoll: In seltenen West- oder Südschüben setzt leichter Schwell um die südliche Inselspitze in die Bucht. Vorherrschender Nordost bietet nahezu perfekten Schutz; selbst 30 kn Passat beschert nur ein leises Knarzen der Ankerkette. Gegen Süd und Südost ist die Bucht ungeschützt – bei südlicher Front heißt es frühzeitig auslaufen. Ein wachsender Teil der Fläche ist inzwischen mit Umwelt-Moorings bestückt; sie tragen Yachten bis 15 m und erlauben maximal drei Nächte.
Ruhige Ankerbucht ohne Infrastruktur
Der Strand fällt seicht ab – Dinghies kann man bei moderater Brandung mühelos auf den Sand ziehen. Feste Stege fehlen, und bei kräftigem Passat laufen in Ufernähe kleine Wellen an; trockenes Umziehen im Beiboot ist ratsam. Frischwasser / Diesel: nur im Dorf Caleta del Sebo (¾-Stunde Fußweg über eine Pistenstraße). Dort zwei Minimarkets, Bankautomat, Recyclingstation und ein Tapas-Kiosk direkt am Fährpier. Müll: Muss laut Verordnung wieder mitgenommen oder in Caleta entsorgt werden; Privatyachten dürfen im Schutzgebiet weder graues noch schwarzes Wasser ablassen. Internet & Strom: Kein Service an der Bucht; Mobilfunk (4G) von Lanzarote reicht für Wettergribs. Kurzum: Wer hierher kommt, bunkert vorher auf Lanzarote – das reduziert zusätzliche Dinghy-Schläge durch oft hackige Passatwelle.
Vulkanische Landschaften und Lebendige Unterwasserwelt
Die Kulisse ist purer Vulkanismus: senfgelbe Aschekegel, schwarzes Lavageröll, dazwischen rosafarbene Sukkulentenpolster. Auf den Klippen nisten Eleonorenfalken und im Frühjahr führen Gelbfuß-Sturmtaucher lautstarke Balzduette auf. Unter Wasser beginnt eine andere Welt: Bazaltlava bildet Tore und Höhlen, darüber schweben Barrakudas; auf dem Sand liegen Engelhaie und Schildkröten ziehen ihre Bahnen. Dank Schutzstatus bleibt die Sicht (10-15 m) selbst nach Starkwind erstaunlich klar; Schnorchel-Hotspots sind die Lavafelsen an der Nordseite der Bucht. An Land warten staubige, aber lohnende Trails: In 20 Minuten erreicht man den Kraterrand der Montaña Amarilla. Von dort reicht der Blick bis zur 600 m hohen Klippe von Famara und, an klaren Tagen, hinaus nach Fuerteventura. Abends leuchtet die Felswand erst ocker, dann rot; im Boot schaukelt man vor einer von Sternen überfluteten Wüstenkulisse – keine Straßenlaterne stört.
Playa Francesa: Naturparadies für Ruhesuchende
Playa Francesa ist kein Versorgungs-Hotspot, sondern ein „Blauwasser-Atempause-Spot“: Sicherer Halt, kristallklares Wasser, grandioses Tauchrevier – und nach Sonnenuntergang absolute Stille, nur untermalt vom Fauchen der Sturmtaucher. Für wen? Blauwasser-Crews, die vor der Atlantikpassage ein paar Tage Natur tanken möchten. Familien, denen ein kinderfreundlicher Sandstrand wichtiger ist als ein Eis in Reichweite. Minimalist:innen, die leeren Speichertanks nicht scheuen und autark leben wollen. Weniger geeignet ist die Bucht für Tieflieger bei Südwetter und für Yachten ohne Ankerwinde – man braucht mindestens 25 m Kette auf 4–6 m Tiefe. Tipp: Permit rechtzeitig beantragen, vor Lanzarote Proviant & Diesel füllen, dann gegen Mittag einlaufen – um 15 Uhr sind häufig noch freie Moorings. Nach dem Bad in 22-Grad-Wasser eine kleine „Siesta atlántica“ im Cockpit, und abends das Schauspiel genießen, wenn Lanzarotes Vulkane rosarot in den Atlantik tauchen und das Boot auf samtweichem Schwojen ruht. Wer in seinem Logbuch nach einem Kapitel sucht, das „Inselwildnis mitten in Europa“ heißt, findet es an der Playa Francesa.
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