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La Aldea De San Nicolas

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Fischerdorf La Aldea vor Steilküste

Einleitung

Nach 25 Seemeilen rauschender Passatfahrt fällt vor dem Bug das mächtige Basaltdreieck der Westküste Gran Canarias zurück – schwarze Klippen, kaum Bebauung, nur karg bewachsene Barrancos. Zwischen zwei Lavazungen öffnet sich plötzlich eine kiesgraue Halbmondbucht: Puerto de La Aldea / La Aldea de San Nicolás. Hinter dem unscheinbaren Molenstumpf liegt ein winziger Fischerhafen, darüber das sattgrüne Tomatental und die 1 000-Meter-Flanke des Andén Verde. Beim Abfallen der Genua riecht man bereits Pinienharz vom Hochhang, dann fällt der Anker in smaragdgrünes Wasser – unter dem Kiel zieht ein Adlerrochen einen Staubschleier, am Kai klappern 15-Fuß-Pangas. Genau diese Mischung aus wilder Kulisse und stiller Dorfatmosphäre macht den ersten Moment unvergesslich.
Felsige Küstenbucht mit steilen Bergen, breitem Kiesstrand, kleinem Hafensteg mit rotem Leuchtturm und Booten im klaren Meer.

Sichere Ansteuerung bei Tageslicht empfohlen

Position des Ankerfelds: 27 ° 53,9′ N / 15 ° 46,0′ W Ansteuerung von Süden: Nach der Landspitze Punta del Descojonado steuert man 008 ° auf den weißen Kirchturm oberhalb des Hafens. Von Norden bleibt man 0,3 sm außerhalb der 10-m-Isobathe, bis das grüne Molenlicht frei vorschifft. Tiefen: Vor der Mole steigt der Grund gleichmäßig von 25 m auf 6–8 m an; im Päckchen neben dem Außenpier sind 4 m erreichbar. Gefahren: Keine vorgelagerten Klippen, aber verstreute Betonbojen für Fischernetze; Sichtansteuerung daher nur bei Tageslicht ratsam. Wind: Der Nordost-Passat beschert im Windschatten der Insel meist 10–15 kn, doch katabatische Fallböen (bis 30 kn) fegen in Schüben aus den Canyons – nachts besonders tückisch. Schwell: Bei W- oder NW-Dünung > 1 m rollen lange Wellen in die Bucht; bei Passatlage bleibt die Wasseroberfläche fast glatt.

Ankerplatz: Vorsicht bei Fallböen

Der Boden besteht aus hartem Sand mit Lavakies. Unser 25-kg-Delta hielt erst nach dem zweiten Einfahren; mehrere Crews berichten von gelegentlichem „Krabbeln“ bei Fallböen – ein Heckanker oder längere Kette (mind. 6:1) ist empfehlenswert. Halt: befriedigend bis gut, wenn der Anker tief im Sand sitzt; Steine können ein Ausbrechen begünstigen. Windschutz: perfekt von S über O bis N; offen gegen W-Quadranten. Schwoikreis: Platz für 6–8 Yachten; weiter außen wird es rasch tiefer als 15 m.

Bunte Rundsteine im Vordergrund, dahinter ruhiger Hafen, Boote vor Mole mit rotem Leuchtturm unter blauem Himmel.
Kieselstrand mit Holzliegeflächen, wenigen Sonnenbadenden, ruhigem türkisblauem Meer, Pier und Felsklippe im Hintergrund.

Praktische Tipps für den Fischerhafen-Besuch

Das Dinghy lässt man im inneren Fischerhafen an einem der freien Sliprampenrutschen. Im Sommer bittet die Cofradía um 2 € „Liegegebühr“, dafür gibt es Trinkwasser am Schlauch und meist einen Tipp, wo der beste Dorado fangfrisch zu bekommen ist. Supermarkt & Bäcker: 1,5 km im Hauptort (Buslinie 38, stündlich). Restaurants: Zwei Fischlokale direkt an der Playa – frischer „Vieja“ auf der Plancha, einfache Plastikstühle, faire Preise. Diesel/Gas: Keine Tankstelle; Kanistertransport nach Puerto de Mogán (16 sm) oder Agaete (22 sm) nötig. Müll: Container am Strandparkplatz; Altölannahme nicht vorhanden.

Westküste: Panoramablick und Schnorchelparadies

Die Westküste ist Nationalpark-kulisse: Vulkanische Klippen, tiefe Barrancos und unberührte Trockenbusch-Vegetation prägen das Bild . Am Hafen beginnt ein kurzer Küstenwanderweg zum Aussichtspunkt Punta de La Aldea – 135 m hoch, aber in 25 Minuten zu schaffen. Von dort blickt man über die ganze Bucht bis hinüber nach Teneriffa; oft durchbrechen Delfinschulen die Wasseroberfläche . Unter Wasser erwarten einen 5–8 m Sicht, Sandflecken und Lavafelsen – Rochen, Papageifische und gelegentlich Karettschildkröten sind Stammgäste. Wer tiefer abtauchen will, findet 500 m nördlich am Riff „El Roque“ Steilwand-Schnorchelrevier mit vulkanischen Höhlen.

Kieselstrand vor kleinem Hafen; wenige Boote im türkisblauen Wasser, dahinter karger Vulkanhang mit Häusern
Steiniger Strand, grottenartiger Tunnel im Felsen rechts, dahinter ruhiger Hafen mit Booten und kleinem roten Leuchtturm.

La Aldea: Wilde Küstenruhe Gran Canarias

La Aldea de San Nicolás ist der letzte wilde Küstenstopp Gran Canarias: keine Marina, keine Disco, keine Versorgungs­garantie – dafür Postkartenruhe, sternenklare Nächte und ein Dorf, das noch vom Tomatenanbau lebt. Pluspunkte: spektakuläre Kulisse, ruhiges Wasser bei Passat, freundliche Fischer, kleiner Supermarkt in Laufweite. Minuspunkte: Böiger Fallwind, mäßige Haltequalität, rollig bei Westdünung, Null-Technik-Service. Geeignet für autarke Fahrtencrews, Naturfreunde und Atlantik­über­querer, die vor dem Sprung nach Westen Ruhe suchen oder nach weeks of Marina-Lärm ein Detox brauchen. Nicht geeignet für Tiefgänger > 2,5 m, Reparatur­projekte oder Roll-empfindliche Schläfer bei Westlage. Ich selbst blieb trotz zerrender Fallböen zwei Nächte: tagsüber erkundete ich die zerklüfteten Barrancos, abends servierte mir der Wirt im „El Chozo“ fangfrische Vieja mit Mojo. Als die Sonne hinter Teneriffa versank und der Anker endlich stoisch hielt, hörte ich nur noch das ferne Donnern der Brandung – und wusste, warum Segeln mehr ist als von Hafen zu Hafen zu hüpfen. La Aldea schenkt einem das Gefühl, kurzzeitig allein am Rand des Ozeans zu leben – ein Luxus, den man im überfüllten Kanarenwinter kaum noch findet.

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