Geheimnisvolle Einfahrt zur Felsbucht
Position: 39° 19,7′ N / 3° 10,2′ E. Ansteuerung: Von Süden wirkt die Einfahrt wie ein Spalt in der Felswand; erst auf 0,2 sm Distanz öffnet sich die Bucht. Bei Tageslicht peilt man den weißen Glockenturm der Dorfkirche mittschiffs und hält dann stumpf auf die Mitte des Einschnitts zu. Nächtliches Einlaufen ist möglich, aber Vertrauen auf Plotter und Sektorenlicht ( 4 s) nötig, da weder Befeuerung noch Tonnen die Klippen markieren. Tiefgang: Die rund 350 m lange Zufahrtsrinne weist 3,5 – 4 m; im inneren Portichetto fallen die Tiefen auf 2,5 – 3 m. Das offizielle Limit der Marina liegt bei 15 m Länge und 3 m Tiefgang, in der Praxis fühlen sich Yachten bis 12 m wohler. Verkehr: Die Fischerflotte läuft gegen 06 Uhr aus und ab 15 Uhr im Zehn-Minuten-Takt wieder ein – AIS im Blick behalten. Freizeitgeräte wie SUPs queren oft die Fahrbahn; langsam fahren und Kurzwellen-Signalhorn bereithalten. Wind & Strom: Tidenhub < 0,25 m, aber starker Levante (O–SE) drückt Wasser hinein, so dass ein halber Meter mehr über LAT steht; Mistral dagegen saugt bis 30 cm ab.
Cala Figuera: Sichere Marina, begrenzte Plätze
Cala Figuera ist primär Liegeplatz-Marina, nicht Ankerbucht: Gastplätze – nur fünf bis neun Boxen an der Betonpier von Caló d’en Busques, belegt via Ports IB-Onlinebuchung; Muringleinen, Strom 16 A, Wasser am Poller. Bei 25 kn Wind aus Süd lag unser 11-Meter-Kieler dort völlig rollfrei. Freies Ankern – im engeren Fjord offiziell verboten; wer keinen Liegeplatz ergattert, verholt 0,7 sm südlich in die offene Bucht Cala Santanyí (6–8 m Sand/Seegras) oder nach Cala Llombards. Diese Ankerfelder sind gegen West gut geschützt, aber nach N–NE offen; bei Tramontana wird es ungemütlich. Schwimmruhe: Im Hafen herrscht Ententeich-Niveau; selbst Fährschwell von Cabrera erreicht die inneren Arme nicht.
Alles Nötige am Hafen: Komfort garantiert
Vom Hecksprung sind es drei Schritte bis zur Dorfstraße. Dort: Wasser & Strom an jedem Gastplatz; Diesel wird per Lkw-Zapfschlauch (24 h Vorbestellung) gebracht. Sanitär & Laundry: Neues Sanitärgebäude (2023) – Dusche 2 €, Waschmaschine 5 €, Trockner 4 €. Proviant: SPAR-Mini-Mercat 400 m oberhalb, frisches Obst mittwochs und samstags auf dem Markt im 3 km entfernten Santanyí (E-Scooter-Verleih am Hafen). Fisch direkt vom Boot: Gegen 16 Uhr verkaufen die Kutter Crevetten und Rotbarben am Kai – zwei Pfund Garnelen für die Pfanne kosten weniger als die Marina-Gebühr. Restaurants: „Bon Bar“ (Tapas mit Blick aufs innere Becken) und „Pura Vida“ (Tatar vom Schwertfisch). Preise moderat, Reservierung in der Hochsaison ratsam. Abfall & Umwelt: Mülltrennung am Containerplatz hinter dem Rigger-Schuppen, Altöl-Depot werktags 08-13 Uhr offen. Posidonia-Ankerverbotsschilder weisen auf empfindliche Seegraswiesen hin; bei Kontrolle drohen bis 2000 € Bußgeld.
Naturparadies: Schlucht, Klippen und Küstenpfade
Die Z-förmige Schlucht ist Teil des Marina-Llevant-Naturparks. Hoch aufragende Kiefern, Felsenfeigen und immergrüne Mastixsträucher rahmen smaragdgrünes Wasser. Unterhalb der Steilküste beginnen dichte Posidonia-Wiesen, Heimat von Seepferdchen, Oktopussen und Goldstriemenschwärmen; Schnorchelsicht je nach Dünung 8–15 m. An Land führt ein Küstenpfad in 20 min zum Aussichtspunkt Es Pontàs, einem natürlichen Felsbogen, und weiter zum Sandstrand Cala Santanyí (Surf- und Tauchbasis). Wer ein E-Bike mietet, erreicht in 25 min die Kalkplateaus des Parc Natural de Mondragó mit Schildkröten und Schilflagunen voller Purpurreiher. Abends liefert Cala Figuera selbst beste Fotomotive: Wenn die letzten Sonnenstrahlen die Bootsgaragen rosé färben und Eisvögel über dem Wasser zick-zacken, scheint die Szene direkt einer Ölmalerei zu entstammen.
Romantische Mini-Marina Cala Figuera
Cala Figuera ist kein Platz für Massen – sondern eine romantische Mini-Marina, die traditionelle Fischerei mit spartanischer, aber solider Infrastruktur verbindet. Wer rechtzeitig reserviert, erhält einen bestens geschützten Liegeplatz und taucht gleichzeitig in authentisches mallorquinisches Dorfleben ein: Morgendlicher Fang, Siesta-Glockenläuten, Abend-Tapas am Kai. Geeignet für Crews bis ca. 12 m Länge und bis 3 m Tiefgang, die Wert auf ruhige Nächte, kurze Wege zur Gastronomie und fotogene Kulisse legen. Familien finden dank Autoverkehr-Freizone und seichtem Badeplateau im Seitenarm einen sicheren Spielplatz, während Einhandsegler den ruhigen Fjord für ungestörte Wartungsstopps schätzen. Weniger geeignet ist der Ort für große Charter-Flotten oder Tiefgang über 3 m – diese weichen besser ins nahe Portocolom aus. Auch bei Nordost-Sturm ist Vorsicht geboten, weil die alternativen Ankerbuchten offen liegen und der Hafen rasch ausgebucht ist. Für mich bleibt Cala Figuera das Mallorca-Postkartenmotiv in Echtzeit: das endlose Klimpern der Segelringe, der Duft von Kiefernnadeln und die ehrliche Freundlichkeit der Fischer, die noch immer ihre Netze aufschießen, während Hochglanz-Mallorca ein paar Kilometer weiter Pulsa verlässt. Ein Liegeplatz zum Wiederkommen – aber am besten mit Reservierung und einem Appetit auf fangfrischen Gallo.
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