Navigationshinweise für Port d’Andratx-Einfahrt
Port d’Andratx (39° 32,5′ N / 02° 23,0′ E) wird meist von Süd- oder West kommend angelaufen. Der 30 m hohe Leuchtturm auf Punta de sa Mola ist schon aus zehn Meilen sichtbar; bei Nacht führt das Doppelblitz-Kennzeichen sicher in die schmale Düse zwischen den Kaps. Tiefen im Außenfahrwasser liegen bei 12 – 15 m, im Vorhafen noch 7 – 8 m. Das eigentliche Yachthafenbecken beginnt erst hinter der langen Südmole; dort reduziert der Clubmarinero per Funk (VHF 09) den Verkehr und weist Gastlieger ein . Tagsüber erleichtern die weiß verputzten Hotelterrassen von Cala Moragues das Peilen; nachts reicht Stadtbeleuchtung, doch starke Embat-Thermik bläst meist quer über die Einfahrt. Tiden gibt es kaum, dafür läuft bei NW-Schwell ein Reflex über die Mole: Groß und Rollanlage deshalb früh klar machen.
Nachhaltige Bojenfelder im Fjordparadies
Der natürliche Fjord ist nach allen Seiten exzellent geschützt; Schwell dringt nur in Sturmlagen aus Südost durch. Klassisches Ankern ist jedoch stark eingeschränkt – Posidonia-Wiesen bedecken fast den ganzen Grund. Stattdessen betreibt PortsIB zwei nachhaltige Bojenfelder (weiße Kugeln) und der Club de Vela eine dritte Reihe; die Felder schließen gestaffelt Ende Oktober und bleiben im Winter abgebaut . Wassertiefen in den Feldern variieren von 6 m an Land bis 3 m direkt vor den Stegen . Der Haltegurtsand unter der Boje ist sauber, ein 25-kg-Gewicht sichert die Leine: nach zwei Starkwindtagen ruckte nichts. Für Längslieger gibt es im Club 530 Boxen (bis 35 m), zusätzlich öffentliche Molenköpfe für Fischer und Traditionsyachten. Die schwimmenden Stege halten das Boot auch bei starkem Embat praktisch rollfrei.
Moderne Marina mit Rundum-Service
An der Service-Pier meldet man sich im Marina Office; Check-in dauert kaum 15 min. Strom-Säulen (16 – 125 A), Trinkwasser und High-speed-WLAN sind im Liegegeld enthalten. Ein 24-h-Tankponton liefert biofreien Diesel und Benzin; Slip, Kran (150 t) und alle Gewerke – Rigger, Edelstahl, Elektronik – sitzen auf demselben Gelände . Für Gäste einer Boje gibt es tagsüber ein Shuttleboot; ab 20 Uhr nutzt man das Dinghy an einem der drei kostenlosen Stegköpfe . Mülltrennung (inklusive Altöl), Schwarzwasserabsaugung und Flaschengas-Tausch funktionieren zuverlässig. Lebensmittel besorgt man zu Fuß in zwei Supermärkten (400 m), frische Dorade in der Fischhalle, Croissants beim Bäcker Forn 9 ab 7 Uhr. Abends pulsiert die Hafenpromenade: Tapas-Bar neben Michelin-Lokal – Preisniveau mallorquinisch gehoben, aber authentisch.
Unterwasserabenteuer und Wandern auf Mallorca
Vor dem Bug beginnt eine Unterwasserwelt aus Posidonia-Wiesen, in denen Seepferdchen und friedliche Rochen grasen. Wer schnorcheln will, paddelt zur benachbarten Cala en Fonoll: zwischen Felsvorsprüngen tummeln sich Salp-Schwärme, in den Spalten lauern Oktopusse, und Kormorane tauchen neben einem nach Sardinen . An Land startet hinter dem Revier das Fernwander-Netz GR-221 – die erste Etappe führt in 3½ h hinauf zum verlassenen Kloster La Trapa und eröffnet atemberaubende Blicke auf die Dracheninsel Sa Dragonera (Naturschutzgebiet) . Wer lieber kurz unterwegs ist, spaziert in 20 min zum alten Wehrturm Torre de Sant Carles und schaut den letzten Sonnenstrahlen auf der Wasserlinie zu. Unterwegs begegnet man duftendem Zwergwacholder, kretischem Igelpolster und – mit etwas Glück – einem balearischen Eidechsenpärchen. Im Spätsommer schweben Osprey und Eleonorenfalken über dem Hafenkopf; nachts klackern die Zikaden, während im Wasser Blauflossenmakrelen auf Jagd gehen.
Port d’Andratx: Luxus, Natur und Entspannung
Port d’Andratx kombiniert Luxus-Marina, Bojenruhe und Naturschutz-Disziplin zu einem stimmigen Paket. Pluspunkte: erstklassige Werft- und Versorgungsstruktur, stressfreie Bojen mit Shuttle, Wander- und Schnorchel-Perlen in Dinghy-Distanz. Minuspunkte: Liegepreise der Hochsaison (ab ca. 64 €/Tag für 10 m Yacht) und strikte Bojenpflicht – wer frei ankern will, findet weiter nördlich mehr Spielraum . Außerdem weht ab Mittag fast zuverlässig Embat von voraus – gut zum Lüften, lästig beim Einlaufen. Für Blauwasser-Crews vor dem Atlantiksprung ist Andratx der perfekte Technik-Boxenstopp; für Charterfamilien bietet die Boje Badeleiter, Stadtbummel und Eis in Schlauchboot-weite; Langfahrtsegler genießen ein paar Tage „Dolce Fayna“ vor Tramuntana-Kulisse, bevor es weiter nach Ibiza geht. Mein Praxis-Tipp: spätestens mittags fest sein, das Dinghy klarmachen, zum Bäcker rollen – und bei Sonnenuntergang mit Tapas-Teller und Blick auf rot glühende Felsen begreifen, warum dieser Hafen seit Römerzeiten als sicherer, schöner Ankerplatz gilt.
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