Sichere Ankerbucht bei Mistralwinden
Cala Mitjana liegt an der Südküste Menorcas bei 39° 56,8′ N / 3° 55,4′ E, knapp 1,5 sm östlich von Cala Galdana. Von Westen steuert man nach der weißen Kapelle von Sant Francesc Kurs 090° entlang der 10-m-Tiefenlinie, bis der tief ausgeschnittene Einschnitt zwischen den Kapen Punta des Gall (W) und Punta Mitat (E) klar zu erkennen ist. Die Einfahrt ist frei von Felsen; wer sich mittig hält, hat stets >5 m unter dem Kiel. Nachts ist Navigation anspruchsvoll, denn weder die Bucht noch die Felsköpfe sind befeuert, und das Licht von Cala Galdana verschwindet hinter den Kiefern – Einlaufen deshalb nur mit Radar oder vertrautem Track. Bei sommerlichem Mistral (NW) steht ab Mittag ein kräftiger thermischer Süd- bis Südwest, der quer in die Einfahrt drückt; mit 2–3 kn Fahrt und klarem Ankerplatz ist das unproblematisch. Strömung spielt keine Rolle, der Tidenhub liegt unter 20 cm.
Optimaler Ankerplatz mit Schutzoptionen
Die innere Hälfte der Bucht bietet durchgehend 4–8 m Wassertiefe über fast weißem Sand, unterbrochen von dunkelgrünen Seegrasfeldern. Ein moderner Bügel- oder Plough-Anker greift sofort; in 25 kn Südwestbö streckte ein 20-kg Bruce mit 35 m Kette keinen Zentimeter. Für größere Yachten empfiehlt sich Ankern in ca. 6 m Tiefe mittig, damit ausreichend Schwojplatz bleibt. Schutz: Nord bis Ost – hervorragend, Klippen halten Wind und Schwell fast komplett fern. Südost bis Südwest – Schwell läuft um die Punta Mitat in die Bucht; bei >1 m Welle rollt es unangenehm. West und Nordwest – sicher, leichte Fallwinde, kein Schwell. Bei Schlechtwetter aus SE marschiert man besser ins 1,5 sm westlich gelegene Cala Galdana (Hafendienst) oder direkt in den Hafen von Ciutadella. Posidonia-Schutz: Offizielle Bojen gibt es nicht, aber das Balearen-Dekret verlangt, auf Sand zu ankern und Seegras zu meiden; bei Kontrolle werden Drohnenbilder herangezogen.
Abgeschiedenheit und Natur am Ostzipfel
Gelandet wird per Dinghy am flachen Sandstrand oder an der kleinen hölzernen Badeplattform im Ostzipfel. Im Hochsommer liegen hier Kajaks und Schlauchboote dicht an dicht – frühes Anlanden spart Ärger. Infrastruktur vor Ort ist null: kein Wasser, kein Diesel, keine Mülltonne. Alles, was man mitbringt, muss wieder zurück an Bord. Der nächste Supermarkt befindet sich in Cala Galdana (25 Min. Fußweg über einen gut ausgeschilderten Camí de Cavalls). Mobilfunk (4G) funktioniert dank direkter Sichtlinie zur Südküste stabil; das gribt den Wetter-Grib in Sekunden, aber Netflix killt bald das Datenvolumen. Wer längere Zeit bleiben will, sollte Grauwasser an Bord sammeln und Fäkalientank nutzen – die Guardia Civil kontrolliert seit 2023 häufiger und verhängt empfindliche Bußgelder bei Direkteinleitung.
Naturparadies Cala Mitjana: Schnorcheln und Sonnenuntergänge
Der „Rasen“ im Hinterland ist typisches Garrigue-Buschwerk: Mastixsträucher, Steinlattich und wilde Pistazie. Im Frühjahr leuchten Zistrosen und Affodill in weiß-violetten Büscheln, im Herbst färbt sich der Boden vom Rosmarinblau der letzten Blüten. Zwischen April und Juni nisten Bienenfresser in den kleinen Sandklippen östlich der Cala; laut Balearischer Vogelschutzverordnung darf der Strandrand in dieser Zeit nicht mit Drohnen überflogen werden. Unter Wasser ist Cala Mitjana ein Schnorchelparadies: 8–10 m Sicht, Sandflächen mit Rochen, kleine Höhlen in beiden Kapen voller Goldjäckchen und Putzergarnelen, dazu ein loses Wrackteil einer 1950er-Holzjolle auf 7 m Tiefe, das heute als Kunst-Riff dient. Für geübte Taucher liegt 400 m südlich die Felsspitze des Escull d’es Rajolí, eine Steilwand bis 22 m, mit Schwärmen von Barrakudas und gelegentlichen Adlerrochen. An Land führt ein Abschnitt des historischen Reit- und Küstenpfads Camí de Cavalls (Etappe 13) zur Mini-Schwester Cala Mitjaneta – 10 Minuten über Pinienwurzeln, vorbei an duftenden Myrten. Sonnenuntergänge sind hier spektakulär: Die letzten Strahlen fluten die Kalkwände in Pink und lassen das Ankerfeld wie ein °Farbenfächer aussehen.
Cala Mitjana: Naturparadies für Abenteurer
Cala Mitjana ist ein Rendezvous mit dem „wilden“ Menorca – ohne Hafengebrumm, ohne Disco, dafür mit Natur in HD-Auflösung. Wer hinfährt, muss autark sein: Wasser, Diesel und Mülllogistik sind Eigenverantwortung. Dafür wird man mit sicherem Halt, türkisfarbener Badewanne, spannender Unterwasserwelt und Wandermöglichkeiten belohnt. Ideal für: Crews auf Fähre-Bug-nach-Bug-Fahrt von Mallorca zum spanischen Festland als Zwischenstopp. Familien mit Kids, die einen sanft abfallenden Strand und klares Wasser schätzen. Schnorchel- und Kajakfans, die stilles Revier und Felshöhlen erkunden möchten. Weniger geeignet für: Schiffe ohne Fäkalientank oder mit >2,5 m Tiefgang (Schwojradius begrenzt). Crewwechsel oder Proviantbunkern – Null Infrastruktur. Mein Tipp: Zwischen 08:00 und 10:00 Uhr einlaufen, wenn die Charterflotte noch schläft, Anker auf den hellen Sandfleck in 6 m Tiefe legen, 35 m Kette fieren – und die Cala bis zum späten Vormittag fast allein genießen. Gegen Abend regelmäßig Schnorchelkontrolle der Kette, dann den Sundowner mit Blick auf glühende Kalkklippen und das ferne Leuchtfeuer von Cap d’Artrutx. Wer das erlebt, versteht, weshalb diese kleine Bucht für viele Blauwassersegler*innen das „Südsee-Feeling“ des westlichen Mittelmeers liefert.
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