Zick-Zack-Kurs nach Harstena
Harstena (≈ 58° 14,3′ N / 16° 56,6′ E) erreicht man durch einen betonnten Zick-Zack-Korridor, der von der nordwestlichen Fahrwasserrinne Missjöleden abzweigt. Von Norden kommend hält man nach der Kardinaltonne Syllstensbåden Ausschau: Ab hier führen paarweise gelbe Kreuzpricken in den Flisfjärden. Wichtig ist, exakt mittig zu bleiben – beidseits fällt das Grundgestein auf < 1 m ab. Der letzte Schlauch nach West knickt zweimal um Schärennasen; auf dem Plotter wirkt er enger, als er real ist, doch frischer Süd- oder Südostwind drückt hier quer, deshalb den Fenderkorb vorbereiten. Befeuerung gibt es keine, Nachtansteuerung gelingt nur mit Mondlicht oder Radar. Die Hafeneinfahrt selbst bietet 3–4 m Tiefe und ist an einem weißen Leitpfosten mit rot-weißem Topzeichen gut zu erkennen.
Sicherer Hafen in Harstena
Geankert wird in Harstena nicht mehr – seit der Ausbaggerung 2019/20 bieten zwei parallel liegende Holzstege rund 35 Gästboxen mit Heckboje; der Grund fällt von 1,5 m am Land bis gut 3 m an den äußeren Pfählen ab. Das rechteckige Becken ist durch eine hohe Granit-Mole nach West und durch die Insel selbst nach allen anderen Seiten geschützt; selbst bei 25 kn Nordost bleibt das Wasser höchstens leicht kabbelig. Der Untergrund besteht aus feinem Sand über Schluff, sodass lange Kielschwerter ohne Grundberührung schlafen. Einziger Störenfried: zwar kein Schwell, aber nach zweitägigem Liegen saugt sich das Boot leicht in den Hafenschlick – Leinen also nicht zu straff stecken.
Idyllischer Hafen mit Räucherfisch und Bäckerei
An jedem Steg gibt es 230-V-Strom und Frischwasser; die Liegegebühr (Sommer 2025: 200 SEK für 10 m) zahlt man kontaktlos am Automaten. Sanitär: zwei frisch renovierte WCs am Kopfsteg, dazu eine Öko-Dusche im Bootshaus (20 SEK). Mehr braucht es kaum, denn das Leben spielt sich draußen ab. Handelsbod am Pier: Mini-Lebensmittel, Gas Camping AZ-Tausch und vor allem Räucherfisch aus der eigenen Rökeri – Aal, Flundra und, wenn die Netze voll waren, Lachs. Bageri: fünf Gehminuten durchs Dorf, täglich frisches Landbrot und legendäre Kanelbullar (unbedingt vorbestellen, sie sind oft 11 Uhr ausverkauft). Mülltrennung direkt an der Sliprampe; Schwarzwasser-Säule gibt es nicht, Grauwasser fließt über Bodeneinlauf – ökologisch unschön, aber in der Region üblich. Diesel oder Benzin? Fehlanzeige – der nächste Zapfhahn liegt in Fyrudden (12 sm).
Unberührte Naturidylle auf Harstena
Harstena war bis in die 1960er ein Zentrum der Seehundjagd – daran erinnert der kleine Sältrankokeri-Ofen am Kai. Heute lebt die Insel vom Besuchersommer, doch ihre Natur ist unverbaut: Trollskogen-Pfad (3 km) führt durch knorrige alte Kiefern, vorbei an Mooraugen voller Wollgras und weiter zu einem Aussichtskliff, von dem man den gesamten äußeren Schärengarten überschaut. In den Blankwasser-Einbuchtungen tummeln sich Hechte und Barsche; Seeadler kreisen regelmäßig über dem Südkap, und abends jault manchmal ein Kolkrabe über die Wacholderheiden. Unter Wasser wechseln lichte Seegrasmatten mit Granitplatten – die Ostsee ist hier brackig-klar, bei Hochdruck stehen 5 m Sicht. Man schnorchelt zwischen Miesmuschelbänken, kleinen Seesternen und Schwärmen von Jung-Silberlachsen. Wer einen Ausflug sucht, chartert das Wassertaxi zum Leuchtfeuer Häradsskär (20 Minuten): Auf dem roten Rundturm blickt man bis zur blauen Silhouette von Gotland.
Harstena: Schärengarten-Gemütlichkeit ohne Luxus
Harstena ist kein Versorgungsknoten, sondern ein Schärengarten-Slow-Spot mit allem, was man nach langer Etappe wirklich braucht: sicherer Liegeplatz, Strom, gutes Brot, warmer Räucherfisch und ein Naturerlebnis direkt vor der Kajüte. Abstriche muss man beim Komfort machen – keine Dusche im Hotel-Stil, null Diesel, begrenzte Wassermenge –, doch gerade diese Einfachheit macht den Reiz. Für Crews bis etwa 12 m Länge, die mit max. zwei Metern Tiefgang unterwegs sind, ist der Hafen ein Highlight auf dem Weg zwischen Västervik und Arkösund. Mein Tipp: mit der Nachmittagsbrise einlaufen, Bug an die nördliche Heckboje legen, vor dem Abendessen einmal zum Bageri hinauflaufen und Kanelbullar für die Morgenfahrt sichern. Dann auf dem Vorschiff sitzen, wenn die Sonne hinter dem Gryt-Archipel versinkt – und begreifen, warum Harstena seit Generationen als „Roseninsel der Ostsee“ gerühmt wird.
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