Navigationshinweise für Seedorf auf Rügen
Seedorf liegt im Südosten Rügens, gut drei Seemeilen südwestlich von Sellin. Von der Having her folgt man dem betonnten Fahrwasser (weiße Stakentonnen) bis zur Mündung der Lanckener Bek. Die Rinne ist knapp 30 m breit, auf 2 – 3 m ausgebaggert und fällt erst unmittelbar vor den Vereinsstegen flach ab . Vorsicht bei Westwindlagen: Dann steht Querströmung aus dem Neuensiener See und versetzt das Boot in der Kurve vor dem Ort. Eine Nachtansteuerung ist möglich, doch die letzten Staken sind unbeleuchtet – Plotter oder Radar erleichtern den Kurs.
Geschützte Hafenidylle im Neuensiener See
Der Hafen besteht aus zwei privat bewirtschafteten Steganlagen: Vorn der Forellensteg (25 Plätze, Wassertiefe bis 4,6 m) , dahinter der Hafen Seedorf mit Boxen für Boote bis 15 m Länge bei 2–4 m Tiefe . Beide liegen gut geschützt hinter einer niedrigen Deichnase; selbst starker Nordwest drückt nur Wind, aber keinen Schwell in die Becken. Offenes Ankern ist im Neuensiener See erlaubt, jedoch flach (unter 2 m) und wegen ausgedehnter Seegrasfelder mühsam – die Box ist in der Regel die bessere Wahl.
Komfortabler Hafen mit nahen Annehmlichkeiten
An jedem Liegeplatz gibt es Strom, Wasser und kostenloses WLAN. Sanitäranlagen und Duschen befinden sich in Holzhäuschen direkt am Steg. Diesel bunkert man nur per Kanister im 4 km entfernten Lancken-Granitz; Gasflaschen tauscht der Hafenmeister auf Bestellung. Ein kleiner Fischimbiss, ein Hofladen mit Brötchenservice und zwei boddentypische Restaurants („Kormoran“, „Zum Hafen“) liegen keine 200 m vom Steg entfernt. Größere Einkäufe erledigt man in Sellin oder Putbus (Leihfahrräder beim Hafenbüro). Mülltrennung und ein Altölbehälter sind vorhanden; eine Fäkalienabsaugung fehlt – Bordtoilette sollte während des Aufenthalts auf geschlossen stehen.
Naturwunder und Wassersport in Seedorf
Seedorf liegt im Biosphärenreservat Südost-Rügen – wer früh aufsteht, erlebt Seeadler über den Boddenhängen, Kraniche in den Schilfwiesen und abends den Trompeterchor tausender Gänse. Der Rundweg um den Neuensiener See (6 km) führt über Holzstege, vorbei an knorrigen Eichen und an einem Beobachtungsturm mit Blick auf brütende Rohrdommeln. Wassersportler paddeln per SUP zum Badestrand am gegenüberliegenden Ufer oder folgen der Bek nach Norden in die Having – ein Revier ohne Motorbootlärm, weil die flachen Passagen nur für Segel- und muskelbetriebene Fahrzeuge befahrbar sind. Radfahrende nehmen die autofreie Dammstraße durchs Reddevitzer Höft (10 km) mit Panoramablick bis zur weißen Kreideküste, kulturinteressierte Crewmitglieder spazieren zur Großsteingrabgruppe „Ziegensteine“ (3 km) oder steigen in Sellin in die historische Schmalspurbahn „Rasender Roland“.
Seedorf: Entspannung und Boddenromantik
Seedorf ist kein klassischer Etappenhafen mit Rundum-Service, sondern ein Entschleunigungsort: Wer Lärm, Werftkran und Nachtleben sucht, wird enttäuscht sein. Doch für Crews, die Natur, flachen Strand und eine Portion Boddenromantik schätzen, ist der Hafen ein kleines Juwel. Dank ausreichend Tiefe können selbst 13-Meter-Yachten bequem festmachen; einzige Restriktionen sind Diesel-Logistik per Kanister und fehlende Pumpe für Schwarzwasser. Mein persönlicher Höhepunkt: ein Sundowner im Cockpit, während der See spiegelglatt dalag, Schilfzipfel im Abendlicht glühten und irgendwo ein Fischreiher quakte. In der Ferne knarrte das Stegholz, der Mast schlug nur leise im Takt, und die Ostsee – kaum zehn Kilometer Luftlinie entfernt – wirkte plötzlich so weit weg wie ein anderes Meer. Seedorf beweist: Manchmal braucht es keinen großen Horizont, um einen weiten Blick zu bekommen.
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