Hiddensee Hafen: Herausforderungen für Skipper
Der Hafen liegt auf der Ostseite von Hiddensee am Vitter Bodden und ist nur über das betonnte Schaproder Fahrwasser zu erreichen. Südliche Ansteuerung (empfohlen für Tiefgänger): – Von der Leuchttonne G 13 hält man Kurs 320° bis zur grünen Stange V1, dann folgt man den rot-grünen Pfählen nördlich um die Sandbank „Hagen“. – Die Rinne ist auf 2,8 m gebaggert, fällt am Hafenkai auf 2,2-2,4 m ab. Nordvariante (nur bis 1,8 m Tiefgang): – Ab Tonne V10 entlang der unbeleuchteten Stakenreihe, enges Kurvenspiel, deshalb ausschließlich bei Tageslicht und ruhigem Wetter. Besonderheiten: – Starker Wind aus Südost kann 30 cm Wasser aus dem Bodden drücken; wer mehr als zwei Meter zieht, wartet besser auf auflaufendes Wasser. – Nachts helfen Leitlichter an den Dalbenpfählen, dennoch sind Ufer-Bewuchs und dunkle Pfähle schwer zu erkennen – Radar oder AIS eignet sich nur bedingt, lieber in der Dämmerung einlaufen.
Sicherer Hafen mit fester Ankergrundlage
Vitte besteht aus einem rechteckigen Hauptbecken mit Dalbenboxen und einem kleinen Nordbecken direkt an der Strandpromenade. Untergrund: fester Schlick mit leichtem Sandanteil – bei Notankerungen (z. B. Wartezeit auf Liegeplatz) hält jeder moderne Pflugscharanker sofort. Schutz: Der Hafen ist rundum geschlossen; nur bei kräftigem West-Wind baut sich in der Zufahrt ein kurzer Kabbel auf, der im Becken aber kaum spürbar ist. Freies Ankern: Im Bodden nördlich der Zufahrt ist das Wasser zu flach und das Gebiet Naturschutz; Ausweichen nach Schaprode oder in den Gellenstrom.
Vitte: Praktische Hafenstadt mit Charme
Vitte ist ein Dorf der kurzen Wege – vom achterlichen Spring zum nächsten Bäcker sind es kaum 200 Meter. Strom & Wasser an jedem Finger, im Liegegeld enthalten (2025: 2,10 €/m). Sanitär im neuen Hafenhaus: Fußbodenheizung, Familiendusche, Waschmaschine und Trockner (Münzen). Diesel/Gas: mobile Tankstelle am Nordkai (Anruf beim Hafenmeister), Camping-Gaz-Tausch im Inselmarkt gegenüber der Seebrücke. Lebensmittel: Der „Insel-Edeka“ hat täglich bis 20 Uhr auf; morgens ab 07 Uhr bekommt man frische Schrippen und Sanddorngipfel. Entsorgung: Mülltrennung direkt am Slip, Altölbehälter in der Bootswerkstatt (kostenlos). Reparatur: Kein Kran, aber ein 6-t-Slippwagen für kleinere Yachten; Motor- und Elektroservice kommt per Fahrrad von Neuendorf.
Naturparadies Vorpommersche Boddenlandschaft entdecken
Kaum hat man den Steg verlassen, steht man im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft: Strände: In fünf Minuten ist man am Vitter Strand – ein kilometerlanger, feiner Sandstreifen mit Blick auf die Kreideküste Rügens. Wandern & Radeln: Der Dünenpfad führt nordwärts nach Kloster (4 km) zum Gerhart-Hauptmann-Haus; südlich locken die Dünenheide und der Leuchtturm Dornbusch (7 km). Fauna: Im Spätsommer rasten Zehntausende Kraniche im Bodden, tagsüber säumen Seeadler den Boddensaum; im flachen Wasser wimmelt es von Stichlingen, Aalmuttern und Handgroßen Schollen – Schnorcheln lohnt trotz mäßiger Sicht.
Vitte: Entschleunigung und Naturparadies auf Hiddensee
Vitte bietet einen seltenen Dreiklang: sichere Liegeplätze, vollständige Versorgung und eine Inselatmosphäre, in der man schon nach einem Tag den Eindruck hat, das Auto erfunden zu haben, um es zuhause stehenzulassen. Pluspunkte Tide- und wellengeschütztes Hafenbecken, bequeme Dalbenboxen bis 15 m Schiffslänge. Alles fußläufig: Bäcker, Radverleih, kleine Galerien, Fischbuden – kein Motorenlärm, weil auf Hiddensee keine Privat-PKW fahren. Grandiose Natur: Heide, Bodden, Ostseestrand und Vogelparadies direkt vor dem Bug. Minuspunkte Kein großer Travellift; bei ernsthaften Schäden muss man nach Stralsund oder Barhöft verholen. An Sommerwochenenden ab 16 Uhr oft voll – frühes Einlaufen oder Reservierung beim Hafenmeister ratsam. Bei Fallwind aus Nordost (selten) pfeift es schneidend über den Steg; gute Springleinen sind Pflicht. Für wen geeignet? Familien, die Sandstrand und autofreie Inseln lieben; Langfahrtcrews auf Ostsee-Roadtrip, die eine echte Erholungspause brauchen; Natur- und Kulturfans, die nach einem Segeltag ohne Motorroller und Verkehrsampeln auskommen wollen. Nicht ideal für Eigner mit Tiefgang > 2,30 m oder für Großrefits. Ich selbst kam Mitte September nach einem nebligen Schlag aus Barhöft an. Die letzten Sonnenstrahlen glitzerten zwischen Reetdächern, ein Fischer legte Aalbutt in Rauch, und ein Kranichzug zog trompetend über die Boddenkante. Zwei Tage später roch das Ölzeug noch immer nach Wacholder und Kiefer; der Bordkalender zeigte Erledigt-Haken bei „Diesel bunkern“ und „Wäsche waschen“, aber ich blieb noch eine Nacht – einfach, um den Sonnenuntergang im Strandkorb zu teilen, den das Hafenbüro kostenlos verleiht. Vitte ist nicht nur ein Hafen, sondern eine Entschleunigung auf Rezept – und das beste Souvenir ist die Ruhe, die man im Kielwasser behält.
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