Ansteuerung Pinnausperrwerk: Vorsicht bei Nacht
Position Einfahrtpriel: 53 ° 40,3′ N / 09 ° 33,8′ E. Vom Elbfahrwasser steuert man nach dem „Roten Mann“ in eine beprickte Rinne (Solltiefe 4,2 m über MTHW) und hält Kurs auf das Pinnausperrwerk. Das Wehr ist üblicherweise geöffnet, schließt jedoch kurzzeitig für Radfahrer – Öffnung auf Anforderung: zweimal langer Ton oder Telefon (+49 4129 413). Hinter dem Wehr zweigt backbord das nur 4 m breite Schleusentor zum Hafen ab. Es arbeitet ohne Bedienpersonal: Rund zwei Stunden vor Hochwasser drückt der steigende Pegel die Flügel automatisch auf; mit fallendem Wasserstand schließen sie sich wieder. Dann bleiben im vorderen Bassin etwa 2,5 m, im hinteren rund 2,0 m Wassertiefe stehen. Wer gegen die Pinnau-Strömung einschwenkt, behält das Boot gut kontrollierbar; notfalls wartet man am Ausweichschlengel 0,2 sm stromauf. Nachtansteuerung ist mangels Befeuerung nicht ratsam, und bei Springtiden können im Priel mehr als 3 kn Querstrom stehen.
Ruhiges Liegen im Alten Hafen
Der Alte Hafen ist ein rechteckiger Dock mit Schwimmstegen an Ost- und Westseite. Gastyachten machen meist längsseits am ersten Schlengel fest; Boxen mit Fingersteg sind gelegentlich frei. Dank massiver Deichmauern und des rundum geschlossenen Bassins liegt man bei allen Windrichtungen absolut ruhig; Schwell von der Elbe dringt nicht ein, nur das kurze Heckwasser eines Schleppers kräuselt gelegentlich die Oberfläche. Bei anhaltendem Ostwind kann der Wasserstand 20–30 cm unter Normal fallen, Grundberührung bleibt wegen des weichen Schlicks aber harmlos. Ankern ist in der Pinnau oder im Vorhafen verboten.
Gemütlicher Hafen mit vielen Annehmlichkeiten
Das Liegegeld (Stand 2025: ca. 1,40 €/m, alles inklusive) wird im Clubhaus entrichtet; dort befinden sich einfache, aber heiße Duschen, WC, eine Pantryecke und WLAN. Strom (16 A) liegt auf dem Steg, Frischwasser an Langschläuchen. Diesel oder Gas gibt es erst wieder in Wedel bzw. Uetersen; Einkaufsmöglichkeiten sind sechs Kilometer entfernt, doch der Verein stellt kostenlose Leihfahrräder bereit. Auf dem Gelände finden sich zwei Grillplätze, ein Spielplatz, Slipbahn, 12-m-Mastkran und eine Slipwinde (bis 15 t). Müll und Altöl entsorgt man sortenrein hinter dem Clubhaus. Versorgungsdichte: niedrig – Gemütlichkeitsfaktor: hoch.
Naturidylle am Elbdeich erkunden
Rund um den Hafen beginnt eine stille Marschlandschaft. Auf dem Deich schweift der Blick weit übers Stromtal, im Vorland brüten Austernfischer, Kiebitz, Eisvogel und gelegentlich sogar Seeadler. Am Abend schnattern Graugänse, während im Dämmerlicht Fledermäuse über die Schlengel zirkeln. Ein Spazierweg führt kilometerweit den Elbdeich entlang; mit dem Rad erreicht man in 20 Minuten die historische Aalkate Hetlingen – fangfrischer Räucheraal inklusive. Angler erwischen in der Pinnau Aal und Zander, Baden ist wegen Strömung verboten. Unter Wasser herrscht Null-Sicht; dafür bietet das Ufer üppige Salzwiesen mit Strandastern und Queller, die im Spätsommer violett und rostrot leuchten.
Ruhiger Tidenhafen mitten in der Natur
Der Hafen Pinnau ist kein funkelndes Marina-Resort, sondern ein ehrlicher Tidenhafen inmitten der Unterelbe-Natur. Wer eine Nacht Ruhe vor oder nach der Elbpassage sucht, wer das Handling von Stemmtoren ausprobieren oder einfach dem Konzert von Schilf und Wattvögeln lauschen möchte, ist hier goldrichtig. Tiefgang bis 2 m, solide Fenderleiste und die Bereitschaft, Tide zu rechnen, genügen als Eintrittskarte. Für Chartercrews, die Supermarkt fußläufig erwarten, oder für Luxus-Yachten über 4 m Breite ist der Vier-Meter-Schlitz eher nichts; Blauwasser- und Fahrtensegler dagegen finden einen günstigen, sicheren und fast entschleunigenden Stopp, der zugleich einen seltenen Blick hinter die Kulissen des Elbe-Ästuars erlaubt. Mein Lieblingsmoment war das morgendliche Ablegen bei aufkommender Flut: In spiegelruhiger Pinnau glitt das Boot lautlos durch ein Spalier aus Nebelfetzen, während draußen am Sperrwerk das Typhon eines Containerschiffes wie ein ferner Gruß in den Tag brummte. Mehr Kontrast zwischen großer Fahrt und kleiner Idylle geht kaum.
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