Einfache Navigation am Hafen Lanzarote
Der Hafen liegt bei 28 °07,9′ N / 15 °24,4′ W an der Ostseite Lanzarotes. Die Ansteuerung ist bei Tag und Nacht einfach: Der 340 m lange Außenmolekopf des Handelshafens Puerto de los Mármoles trägt ein starkes weißes Blitzfeuer; zudem dient das 55 m hohe Gran Hotel als auffälliges Tageszeichen. Von Norden kommend bleibt man außerhalb der 12–15 m tiefen Großschifffahrtsrinne und steuert erst querab des Molekopfs in den nach Süden führenden Vorhafen. Arrecife Port Control wird auf VHF 12 gerufen, die Marina selbst arbeitet auf VHF 09 – bei reger Fähren- und Kreuzfahrtbewegung unbedingt mithören. Im Einfahrtsbereich herrscht stets Platz, doch der Nordost-Passat beschleunigt entlang der Ostküste; mit 20–25 kn querab verlangt das letzte Abfallen in die Marinaeinfahrt beherztes Gas. Die Tide spielt nur eine Nebenrolle: der größte Unterschied liegt bei 1,5-2 m, Strömungen im Vorhafen bleiben unter 0,5 kn . Nachts leiten zwei rote Blitze am Marinasteg, ergänzt vom grün-weißen Richtfeuer des Handelshafens. Wer im Dunkeln einläuft, hat meist Rückenwind, dafür blendet die Stadtbeleuchtung – ein gut vorbereiteter Track auf dem Plotter macht das Abbiegen in das schmale Marinator einfach.
Reedeleben: Rollig oder sicher in Marina?
Traditionell ankerten Fahrtenyachten im Reedegebiet nördlich der Marina, doch seit 2021 wird dort ausgebaggert; gesichert ist aktuell nur das kleine, zugewiesene Feld westlich des Handelshafendamms auf 6 – 8 m Sand über Schluff . Der Grund hält ordentlich, doch Schlepperwellen und Passatdüse machen das Reedeleben rollig. Wer längere Arbeiten plant oder Crew wechseln will, geht besser in die Marina. Die Marina Lanzarote bietet rund 400 Plätze auf Schwimmstegen, Tiefen 4–15 m; Yachten bis 65 m liegen längsseits an der Mole, Multihulls bekommen extra breite Fingerstege . Zwei parallel verlaufende Außenmolen schirmen den Hafen fast vollständig von Dünung ab. Nur bei anhaltendem Südost, wenn sich über Fuerteventura lange Wellenzüge aufbauen, rollt ein Restschwell in den Vorhafen, wird im Innenbecken aber zuverlässig gebrochen.
Perfekte Marina für Atlantikabenteuer
Die Anmeldung dauert selten länger als zwanzig Minuten: Reisepässe, Bootspapiere, Versicherungsnachweis – dann winkt die Hafencrew mit der Chipkarte. Strom und Süßwasser liegen an allen Stegen (16–125 A), das WLAN ist dank Glasfaser schnell. Gleich gegenüber dem Empfangssteg befindet sich eine 24-h-Tankstation mit Bio-freiem Diesel; wer wartet, sieht, wie der 150-t-Travel-Lift nebenan einen Aluminium-Katamaran aus dem Wasser hievt . Auf dem Werftgelände sitzen Segelmacher, Hydraulik- und Elektronikwerkstätten, Rigger, Edelstahlschweißer – ideal vor einem Atlantiksprung. Zum Großeinkauf geht man fünf Minuten zur Markthalle von Arrecife oder acht Minuten zum HiperDino-Supermarkt; Camping-Gaz wird im Yachthafenbüro getauscht, Propangas in der nahen Repsol-Station. Eine moderne Pump-Out-Station saugt Schwarzwassertanks kostenlos ab, Mülltrennung erfolgt an zentralen Sammelstellen. Waschsalon, Fitnessraum, Fahrrad- und Mietwagenverleih runden das Angebot ab.
Arrecife: Von Meeresabenteuern zu Vulkanwundern
Wer nach Tagen auf See Land in Sicht braucht, ist in Arrecife goldrichtig: Gleich hinter der Marina wartet die verkehrsberuhigte Promenade Avenida Marítima; sie führt an Salzwasserlagunen, Mangrovenresten und dem historischen Wehrturm Castillo de San Gabriel vorbei in die Altstadt. Morgens sonnen sich Kormorane auf den Lavabuhnen, gegen Abend gleiten Delfinschwärme gelegentlich die Küste entlang. Unter Wasser bietet die Hafenbucht zwar nur moderates Schnorchel-Potential, doch 20 km südlich lockt das Museo Atlántico – Europas einziger Unterwasserskulpturenpark. Landausflügler nehmen den Bus ab der Marinaeinfahrt in 40 Minuten zum Timanfaya-Nationalpark: bizarre Lavafelder, dampfende Geysire und im Abendlicht glühende Aschehänge. Radfahrer finden direkt vor dem Tor die 16 km lange Küstenroute nach Costa Teguise, vorbei an Windsurfern, Palmen und Poke-Bowls-Bars. Wer einfach nur spazieren will, schlendert in zehn Minuten zur Lagune Charco de San Ginés – weiß getünchte Fischerhäuschen, Blaufischerboote und Tapas unter Palmen.
Arrecife: Perfekte Balance für Blauwasser-Crews
Arrecife ist kein stilles Naturparadies, sondern eine Arbeits- und Versorgungsmarina erster Güte – und genau das macht sie für Blauwasser-Crews so attraktiv. Ich schätze die professionelle Infrastruktur: Travel-Lift, Segelmacher, Großmarkt, Diesel-Pontons – alles liegt in Flip-Flop-Distanz. Der Preis (Sommer 2025: ca. 28 €/Nacht für 12 m) ist für Kanarenniveau fair, zumal WLAN, Strom und Wasser inkludiert sind. Natürlich gibt es Schattenseiten: Das Klanggemisch aus Werft, Fähren und Stadtverkehr ist rund um die Uhr präsent; nachts schweben die Lichter der Kreuzfahrer wie Mini-Städte über den Wanten. Wer absolute Stille sucht, soll lieber nach La Graciosa oder Rubicón segeln. Auch Schwellfreiheit ist nicht absolut – bei sturem Südost brennt das Achterstag. Ich halte Arrecife für ideal, wenn Langfahrt-Crews eine volle Werft- und Einkaufspalette vor dem Atlantiksprung brauchen, Winterlieger warm, sicher und stadtnah überwintern wollen, Hand-gegen-Koje-Teams in einer günstigen Ankunftsbucht Crew wechseln möchten. Mein Tipp nach zwei Monaten Bordalltag: Beim Einlaufen den Passat nutzen, das Groß erst im Vorhafen bergen, auf Steg C Richtung Stadtseite Platz verlangen – dort ist der Weg zum Bäcker unter einer Minute. Am Abend ein Caña im Ufer-Bistro „La Cubierta“ bestellen, den Sonnenuntergang hinter den Vulkanen von Fuerteventura beobachten und sich auf den nächsten Schlag nach Süden freuen. Genau dann spürt man, wie Arrecife zwischen industrieller Umschlagstelle und kanarischer Lebensfreude die perfekte Balance hält – und warum so viele Weltumsegler hier länger bleiben als geplant.
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