Idyllisches Halbtagestörn-Gewimmel bei Tabarca
Tabarca liegt nur zwei Seemeilen außerhalb des Cap de Santa Pola und zehn Seemeilen südöstlich von Alicante. Das macht die Insel zum perfekten Halbtagestörn – doch gerade die Nähe zum Festland sorgt für Hochbetrieb. Wir kamen an einem Mittwoch im Juni gegen 14 Uhr; die Ausflugskatamarane dampften gerade ab, und die Zahl der Freizeitskipper hielt sich noch in Grenzen. Landmarken: Die 15 m hohe Kirche „Sant Pere i Sant Pau“ und der Leuchtturm (Oc W 5 s) sind aus allen Richtungen sichtbar. Von Westen steuert man am besten direkt auf den Kirchturm zu, hält aber Abstand zur Untiefe Bajo de la Nao (2,5 m über Grund), die gut eine Kabellänge vor dem alten Mauerbogen liegt. Von Osten kommend orientiert man sich an den sechs gelben Schutzbojen mit Kreuztopzeichen, welche den Kern der Meeresreserve markieren. Die Einfahrt in das eigentliche Ankerfeld erfolgt entweder südlich der Reservebojen oder – was wir bevorzugt haben – über das Westgate zwischen dem Fischereipier und der Felsinsel La Cantera. Bei Tageslicht problemlos, nachts hingegen stockdunkel: weder Kardinaltonnen noch Beleuchtung am Pier. Plotter, Scheinwerfer und ein Ausguck auf dem Vorschiff sind Pflicht, zumal selbst im Juli der Tidenhub knapp 0,3 m beträgt und die Riffe keine Fehlertoleranz lassen.
Nachhaltiges Ankern im Meeresschutzgebiet
Die Insel ist seit 1986 Meeresschutzgebiet; Ankergänge auf Posidonia sind verboten. Deshalb wurden 2022 zusätzliche Öko-Muringbojen ausgelegt, die man online buchen oder – sofern frei – spontan belegen darf. Bojenfeld West (9–12 m): griffiger Sandgrund, Schwoikreise klar markiert. Unsere 12-t-Yacht hing zwei Nächte lang ruhig, selbst bei 18 kn Seebrise aus Ost. Südankerfeld (5–8 m): gut geschützt bei vorherrschenden Winden aus NW bis NE, aber tagsüber brandvoll mit Charterkatamaranen – bis 18 Uhr rollt immer wieder deren Schwell herein. Freies Ankern ist nur südlich der Reservegrenze erlaubt, dort in 7–10 m über festem Sand mit Posidonia-Flecken. Wir fanden ausgezeichnete Haltekraft, verlegten aber 40 m Kette, um bei Westdrehung hinweg schwojen zu können. Bei Sirocco (Südost) läuft kurzer, steiler Schwell in die Bucht; ab 20 kn wird das Leben an Bord ungemütlich. Dann verholt man besser ins Lee von Santa Pola oder an die Gästepier von Alicante.
Praktische Tipps für Ankerplatz Tabarca
Die Dinghy-Anlandung erfolgt am Kopf des Fischerponton (wassertief, unterhalb der Festungsmauer). Zwischen 08 und 10 Uhr legen hier die Tagestourenboote an; wer früh kommt, findet einen freien Ring. Zweite Option ist der Mini-Strand unmittelbar nördlich des Piers: feiner Sand, aber je nach Brandung nass. Wasser & Strom: Keine Yachtversorgung; Kanister können am öffentlichen Brunnen im Ort gefüllt werden (leicht gechlort, aber trinkbar). Müll: Container neben dem Fischereischuppen; Glas bitte wieder mitnehmen – die Gemeinde entsorgt erst nach Saisonende. Proviant: Zwei Tante-Emma-Läden mit Basic-Sortiment (Brot, Obst, Gasflasche CV470 gegen Pfand). Fangfrischer „Caldero“-Fisch wird morgens am Kai angeboten – ein kulinarisches Muss. Bars & Restaurants: Rund ein Dutzend Lokale in der Hauptgasse, viele schließen allerdings wochentags gegen 17 Uhr, wenn die Tagesausflügler abreisen. Diesel bunkert man besser vorab in Alicante oder Torrevieja; auf Tabarca gibt es weder Tankstelle noch LPG. Mobilfunk (4G/5G) ist seit 2024 erstaunlich stabil – dank einer neuen Mikrozelle am Leuchtturm.
Tabarcas Unterwasserwelt: Spaniens Verstecktes Tauchparadies
Tabarca ist Spaniens ältestes Meeresschutzgebiet, berühmt für seine Posidonia-Prärien und Sichtweiten bis zu 25 m. Schon direkt unter dem Boot tummelten sich Seebrassen, Oktopusse und ein neugieriger Barrakuda. Wer tiefer abtauchen möchte, kann sich einer der zwei zugelassenen Tauchschulen anschließen; eigene Kompressorflaschen sind im Schutzgebiet verboten. Schnorchelnd lohnt sich der Abstecher zur Ostspitze Punta Falcó: dort brechen Lichtschächte durch Tunnel und Grotten – ein Unterwasser-Farbkino. An Land führt ein ausgeschilderter Rundweg (2 km) um die Insel: maurische Verteidigungsmauern, ein kleines Meeresmuseum (Thema: Piraten und Korallenfischer), verlassene Kapelle. Flora zeigt sich in Miniatur: Salicornia, Stranddisteln und duftender Rosmarin klammern sich an den steinigen Boden. In der Dämmerung kreisen Gelbfuß-Möwen und – mit etwas Glück – die seltene Eleonorenfalken.
Tabarca: Quirliges Natur- und Tauchparadies
Tabarca ist kein stilles Rückzugsankerfeld, sondern ein quirliges Natur-Museum mit klar definierten Spielregeln. Wer diese beachtet, wird reich belohnt: Glasklares Wasser, Sandgrund und Bojen sorgen für stressfreies Übernachten. Schnorcheln & Tauchen gehören zum Besten, was die Costa Blanca bietet. Die Infrastruktur ist minimal, aber ausreichend für ein, zwei Nächte – vorausgesetzt Wasser und Diesel sind gebunkert. Wichtig: In Hochsaison und an Wochenenden früh da sein oder eine Boje reservieren, sonst bleibt nur der wenig charmante Rückzug zur Festlandküste. Für Crews auf der Passage zwischen den Balearen und Andalusien ist Tabarca ein idealer Zwischenstopp; Chartercrews finden hier ihren Instagram-Moment, sollten aber einen Plan B für Schlechtwetter haben. Nach zwei Nächten, einem nächtlichen Bad im Plankton-Leuchten und frisch gegrilltem „Caldero“-Brot nach Fischerart lautet mein Logbuchurteil: vier von fünf Seesternen. Abzug gibt’s allein für den lauten Tagestourismus – doch sobald die letzten Katamarane abdampfen, gehört die Insel wieder den Seglern, den Fischen und den anbrandenden Wellen. Quellen
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