Geheime Bucht für erfahrene Navigatoren
Die Cala Cerrada schneidet sich an der Südseite des Cabo Tiñoso-Massivs zwischen La Azohía und Puerto de Mazarrón in den Fels (37 ° 32,45 ′ N | 1 ° 09,25 ′ W). Von See kommend hält man den spitzen Pico de La Panadera (312 m) als markante Landmarke backbord querab und peilt dann genau die schmale Einfahrt an, deren Öffnung kaum 40 m misst. Die Tiefe fällt in der Einfahrt nicht unter 12 m; unmittelbar dahinter geht es im Kielwasser steil auf 28 m. Bei Tageslicht ist das Navigieren dank der hellen Felswände einfach, nachts gibt es keinerlei Befeuerung – Radar und Plotter sind Pflicht. Der mittlere Tidenhub liegt unter 0,3 m, aber bei Starkwind aus Süd staut sich Schwell in der Bucht und kann den Wasserstand um 20–30 cm drücken.
Sichere Ruhe in felsiger Bucht
Wer ankern will, ist hier falsch: Die Cala ist nur 180 m lang und 90 m breit, zugleich über 20 m tief – das spanische Umweltministerium hat deshalb Ankern untersagt und stattdessen drei solide betonierte Muringbojen ausgelegt. Jede Boje trägt bis 15 t; an unserer 12-m-Yacht lagen bei 18 kn Wind nur 30 cm Krängung an. Die Bucht ist ringsum von Fels geschützt, offen bleibt lediglich ein schmaler Sektor von Süd-Südost – läuft dort Dünung ein, rollt das Schiff unangenehm. Abgesehen davon liegt man wie „in Abrahams Schoß“: Fallböen sind selten, querlaufender Wind praktisch ausgeschlossen.
Abgeschiedene Oase für Kajak-Abenteuer
An Land führt nur ein steiniger Kiesstrand am Ostende; er fällt relativ steil und bietet bequemes Dinghy-Aufslippen. Infrastruktur gibt es keine – weder Wasser noch Mülltonnen noch Mobilfunkempfang. Alles, was man braucht, muss an Bord sein. Am Wochenende legen hier gelegentlich lokale Kajak- und Tauchboote an, deren Skipper eine Stunde festmachen dürfen. Besonders in der Hochsaison empfiehlt es sich, am frühen Morgen oder erst nach 18 Uhr auf eine freie Boje zu spekulieren; die meisten Tagesgäste fahren vor Sonnenuntergang zurück nach La Azohía. Die nächsten Versorgungspunkte sind der Fischerhafen von Mazarrón (6 sm W) und die Marina Cartagena (8 sm E).
Tauchen und Wandern im Cabo Tiñoso
Cala Cerrada liegt im Marineschutzgebiet Cabo Tiñoso (seit 2016). Tauchen ist hier nur mit registrierten Centern erlaubt; Nachttauchgänge und Speerfischen sind untersagt. Das Unterwasserbild ist spektakulär: grobe Felstrümmer, Posidonia-Wiesen und Sand-Flecken wechseln sich ab, Sichtweiten liegen oft bei 15 m. Wir sahen eine neugierige Mittelmeer-Muräne, jagende Barrakudas und dichte Wolken aus Brassen. Über Wasser dominiert Garrigue-Vegetation mit Zwergpalmen, Rosmarin und blühendem Kapernstrauch; im Frühjahr brüten Gelbfuß-Möwen in den Felsnischen. Wer Lust auf Bewegung hat, folgt dem Geröllpfad hinter dem Strand hinauf zum alten Militärposten und weiter zur Batería de Castillitos (6 km, 350 Hm); von dort schweift der Blick über einen fast fjordartigen Küstenbogen bis nach Cabo Cabo Cope.
Idyllische Ankerbucht für Naturfreunde
Cala Cerrada ist ein Kleinod für Minimalisten. Keine Bar, kein Steg, kein Laden – nur dramatischer Fels, glasklares Wasser und drei stattliche Bojen. Wer auf seinem Törn ein ruhiges Nachtlager sucht, bevor er Cartagena anläuft oder den Cabo de Palos runden will, findet hier sicheren Halt, solange der Wind nicht hart aus dem Süden kommt. Chartercrews müssen freilich mit Plan B leben, denn drei Bojen füllen sich im Juli schnell. Für Natur- und Unterwasserfans ist die Bucht ein Pflichtstopp, für Partygänger dagegen die falsche Adresse. Unser Logbuch vermerkt nach einer windstillen Frühsommernacht: „Meeresschild über uns, Meeresrauschen unter uns – und der Sternhimmel so hell, dass wir auf Deck lasen.“ Vier von fünf Ankerplätzen in der Region mögen bequemer sein, keiner bietet aber diesen Mix aus Geborgenheit und Wildnis. Wer bereit ist, auf Komfort zu verzichten und sich ganz auf Boot und Bucht einzulassen, wird Cala Cerrada lieben.
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