Herausfordernde Navigation auf der Schwinge
Die Navigation beginnt auf der Elbe mit dem peilbaren Unter-/Oberfeuer Stadersand. Die Einfahrt in die Schwinge ist eng, durch eine Rinne in den Leitdamm gekerbt und bei Springtide von gut 3 kn Strom querab durchspült – ein kräftiger Motor und ein vorbereiteter Anker auf der Backskiste sind daher empfehlenswert. Unmittelbar hinter dem Sperrwerk (lichte Weite 16 m; Drempel NN –4,5 m) öffnet die zweiflügelige Klappbrücke auf UKW Kanal 10 oder telefonisch (04141 2317) zwischen 06:00 und 22:00 Uhr auf Anforderung; wer nachts ankommt, wartet am großzügigen Wartesteg stromauf. Weiter flussauf sind 4 km kurvenreiche Revierfahrt zu absolvieren. Nach der Spülung 2017 bietet die Schwinge am Pegel Stadersand ca. 5,5 m (MHW) an der Mündung, im Stadthafen selbst noch rund 3,3 m. Praktisch bedeutet das: Yachten mit 1,5 m Tiefgang können den Hafen etwa ± 1,5 h um Niedrigwasser sicher erreichen, tiefgehende Fahrtenyachten (bis ca. 2 m) sollten besser den Hochwasserzeitpunkt abwarten. Die Strömung steht dabei stets quer zur Fahrt – idealerweise plant man das letzte Stück bei auflaufendem Wasser, um notfalls ein weiches „Ablegen gegen den Strom“ fahren zu können. Bei Dunkelheit hilft die weiße Richtfeuerlinie bis direkt vor das Sperrwerk, doch die Lichter der Stadt überstrahlen die Schifffahrtszeichen schnell; wer Ortsunkundige an Bord hat, sollte den Törn lieber tagsüber legen.
Sicheres Ankern in Stade garantiert
Geankert wird in Stade selten, denn im Hafen liegen 160 m moderne Schwimmstege. Muss man tidebedingt draußen warten, bietet der Flussabschnitt direkt oberhalb des Sperrwerks weichen Schlickgrund, in den sich der Anker zuverlässig eingräbt; das Boot fällt bei Ebbe sanft in den Pudding, ohne dass Ruckschläge auf die Kette kommen. Vor Wind ist man hier aus allen Richtungen hervorragend geschützt – die Deichlinie wirft Böen sauber über den Mast hinweg, und Schwell entsteht in der schmalen Schwinge praktisch nicht.
Komfortabler Hafen mit bester Versorgungsinfrastruktur
Vom Steg an der Ostseite führt ein stabiler Ponton direkt zur Hafenmeisterei mit gepflegten Duschen, Waschmaschine und Trockner. Frischwasser und 230-V-Strom gibt es an allen Boxen; die Strompauschale ist im Liegegeld enthalten. Diesel wird – wenn der Hafenmeister da ist – noch immer am Steg getankt; alternativ steht eine 24/7-Straßentankstelle 400 m landeinwärts. Supermarkt (Rewe), Bäcker und ein gut sortierter Segler-Ausrüster liegen keine fünf Gehminuten entfernt, der Wochenmarkt auf dem Pferdemarkt mittwochs und samstags sogar noch näher. Müll und Altöl können sortenrein am Containerplatz am Kopf des Hafengeländes abgegeben werden. Wer Proviant schleppen muss, findet dank des niedrigen Schwimmstegs kurze Wege ohne lästige Steigleitern.
Naturidyll und Kultur an der Niederelbe
Schon auf der Anfahrt zieht die Flusslandschaft in ihren Bann: dichte Schilfgürtel, Rohrdommeln, Eisvögel und hin und wieder Seeadler, die quer über die Niederelbe streichen. Im Sommer tummeln sich Schwärme von Stint und juvenilem Aal zwischen den Dalben – kein Revier für Schnorchler, aber ein Paradies für Hobby-Fischer. An Land locken Kopfsteinpflastergassen, die gotische Kirche St. Cosmae sowie das Schwedenspeicher-Museum. Ein Spaziergang entlang des Burggrabens führt in zehn Minuten zum „Metallenen Kran“ – einem 18.-Jh. Eisenkran – und weiter auf den Wallanlagen der Schwedenschanze mit Panoramablick über das „Alte Land“ voller Apfel- und Kirschblüten. Wer einen ganzen Tag Zeit hat, leiht sich Räder beim Hafenmeister und erkundet über den Deichradweg die Obstplantagen bis hinunter nach Lühe oder krault mit dem Dinghy unter der Fußgänger-Hubbrücke hindurch zur historischen Altstadtinsel.
Stadthafen Stade: Maritime Ruhe trifft Altstadtflair
Der Stadthafen Stade vereint das Beste zweier Welten: maritime Ruhe und eine Altstadt, die direkt vom Cockpit aus zu Fuß erobert werden kann. Dank gutes Schutzes, verlässlicher Infrastruktur und der weichen Schlicksohle eignet sich der Liegeplatz für Familiencrews ebenso wie für Einhandsegler*innen, die nach einem langen Elbe-Schlag eine sichere Box suchen. Wer mehr als 2,2 m Tiefgang hat oder den Törnplan eng strickt, sollte allerdings die Tidenfenster genau kalkulieren – die Schwinge verzeiht wenig Verspätung. Für alle anderen ist Stade ein lohnender Stopp auf dem Weg zwischen Cuxhaven und Hamburg: geschichtsträchtig, freundlich, preiswert und mit genügend Flair, um aus einem reinen Übernachtungshafen einen Zwei-Tage-Landgang zu machen. Ich komme definitiv wieder – und lasse dann sicherheitshalber noch einmal das geräucherte Stintbrötchen am Fischmarkt aus.
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