Navigationsabenteuer in Östergötlands Schärengarten
Fyrudden (Position 56 ° 19,9′ N / 16 ° 59,1′ E) liegt direkt am durchgehenden Nord-Süd-Fahrwasser des Östergötlandsskärgård. Von Norden her folgt man den zementierten Fahrwassertonnen 622 NW; ab der Kardinaltonne „N Fångö“ weisen rote/grüne Pricken den knapp dreizig Meter breiten Kanal bis vor die Hafeneinfahrt. Eine gelb-schwarze Leitbake mit rotem Toppdreieck auf dem Gastgeberhaus hilft beim Einlaufen. Bei Dunkelheit markiert ein rotes Molenkopffeuer Fl R 5 s die westliche Kante, innen führen zwei schwache Grünlichter längs der Pier. Tiefe im Anlauf beträgt konstant vier Meter; Grundkontakt droht nur, wenn man zu früh nach Westen abbiegt, denn dort zieht sich ein flacher Felsausläufer vom Lotsenhäuschen ins Wasser. Nächtliche Ansteuerung ist machbar, bei Starkwind aus Süd jedoch unangenehm, weil der Passat zwischen den Inseln einen spürbaren Strom quer vor die Einfahrt legt.
Idyllischer Hafen mit begrenzten Plätzen
Der Gästehafen zählt rund 60–65 Liegeplätze, teils an Schwimmstegen mit Heckbojen, teils längs an der inneren Steinpier. Die Solltiefe liegt durchgehend bei vier Metern; Segler mit 2,30 m Tiefgang fanden auch an der Tankstelle noch 3,5 m unter dem Kiel. Dank der bewaldeten Halbinsel und der massiven Ostmole steht selbst bei 25-kn-Nordost kaum Schwell im Becken. Offene Plätze sind aber limitiert: In der Juli-Hochsaison wird konsequent im Päckchen gelegen oder vor Heckanker in jede Lücke „geparkt“. Freies Ankern draußen ist wenig attraktiv; die Buchtausfahrt ist eng und von Durchgangsverkehr, Ausflugsfähren und einer Coast-Guard-Zone geprägt. Wer dennoch ungestört schwoien möchte, findet zwei Seemeilen südlich in der Bucht Flisfjärden guten Sandgrund.
Marina mit Rundum-Service und Anbindung
Strom- und Wasserpaddock liegen an jedem Steg, gezahlt wird per „GoMarina“-App oder am Automaten im blauen Servicehaus. Für eine Elf-Meter-Yacht werden 280 SEK pro Nacht fällig; Strom, WLAN, Duschen, Recycling und die neue Bilgen/Fäkal-Absaugstation sind inklusive. Am Nordkai befindet sich eine Schwimmtankstelle (Diesel & 98 Oktan) sowie eine Slipbahn für Trailerboote. Ein kleiner Kran setzt Maste bis 12 Meter Länge. Die gut sortierte Lebensmittelbutik „Tempo Gryt“ liegt 300 Meter landeinwärts; dort gibt es auch Gasflaschen, frisches Obst und einen Post-Agenten. Der Bus-Wendepunkt vor dem Hafen bedient Valdemarsvik und Söderköping stündlich; Tickets kauft man per App „Östgötatrafiken“. Rund um die Pier finden sich ein Fischbistro, ein Sommario-Café mit Zimtschnecken-Abo und das Restaurant „Gryts Skärgårdshotell“ für gehobene Schärengarten-Küche. Wer Wäsche waschen will, reserviert die Kombi-Maschine an der Rezeption (40 SEK). Müll wird in vier Fraktionen gesammelt; Altöl- und Batteriekontainer stehen hinter dem Hafenbüro.
Naturparadies Gryt Skärgård entdecken
Wenige Schritte oberhalb des Hafens beginnt das Naturreservat Gryt Skärgård: Granitrücken mit Kiefern, Heidelbeerböden und in den Senken dichte Birken-Moltebeeren-Mooren. Ein markierter Küstenpfad führt in 90 Minuten zum Aussichtspunkt på Tryserumsskäret – bei klarer Sicht reicht der Blick bis zur silbergrauen Nordspitze von Harstena. Auf dem Wasser erschließt Fyrudden einen Archipel aus über 5 000 Holmr und Schären. Beliebte Day-Trips sind die Seehund-Flöße bei Ytterö und die Rövar-Lagune auf Gubbö. Tägliche Skärgårdstrafik-Fähren setzen Fußgänger in 35 Minuten nach Harstena über, wo ein pittoresker Lotsenpfad, ein uraltes Trankokeri und das Rosmarin-Duftfeld des Inselgartens warten. Unter Wasser ist die Sicht meist 3–5 m; an sonnenklaren Tagen schimmern auf 6 m Tiefe dicke Muschelmatten, und mit Glück gleitet ein Hecht zwischen Tangwäldern.
Fyrudden: Gemütliche Drehscheibe der Schären
Fyrudden ist der archetypische schwedische Gästehafen: windgeschützt, sauber, freundlich – aber nie mondän. Genau das macht ihn zu einem strategischen Schlüsselpunkt auf jedem Ost-Küstentörn: letzte Dieselpumpe vor dem Schärenlabyrinth, erste heiße Dusche nach Nächten in Naturbuchten. Pro Top-Versorgung – Supermarkt, Diesel, Bus, Segelmacher in Gryt. Schwellfrei – selbst Starkwind bleibt draußen. Sprungbrett in die Inselwelt von Harstena, Bokö und Håskö. Contra Volles Haus im Juli – wer nach 15 Uhr kommt, landet fast sicher im Vierer-Päckchen. Begrenzte Tiefe – für > 2,50 m Tiefgang nicht geeignet. Ich persönlich schätze Fyrudden als Ort zum Durchatmen: Nach Tagen zwischen Granitnasen ankern ist es ein Genuss, am Abend mit einem Matjes-Teller am Kai zu sitzen und den Duft von Kiefernharz mit gebratenem Strömming zu mischen. Wenn gegen Mitternacht das Licht der kleinen Kullagrund-Tonne durch die Mastspitzen blitzt, erinnert man sich daran, warum Schärensegeln ein Privileg ist – und warum Fyrudden als seine gemütliche Drehscheibe so viele Segler:innen immer wieder anzieht.
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