Navigieren im Alten Stadthafen Stralsund
Der Alte Stadthafen liegt am Westufer des Strelasunds auf 54 °19,7′ N / 13 °05,8′ E. Von Norden kommend folgt man dem betonnten Gellenstrom bis zur Ansteuerungstonne „Stralsund“, schwenkt dann in die gut ausgebaggerte Süderfahrt ein und hält Kurs auf den 54 m hohen Turm von St. Nikolai. Die Fahrrinne bietet mindestens 3 m, verengt sich aber südlich der Werft auf knapp 40 m – Großsegel sollten hier längst unten sein. Besonderheit ist die Ziegelgrabenbrücke: Sie öffnet stündlich (Sommer 04:20–23:20 Uhr) für exakt 20 Minuten. Wer die Öffnung verpasst, ankert nördlich der Drehbrücke in 3–4 m über Schlick mit gutem Halt oder macht im Vorhafen des Stadthafens an Wartepfählen fest. Nachts helfen befeuerte Sektorenlichter; dennoch erschweren Uferbeleuchtung und Stadtsilhouette die Tiefenwahrnehmung – Radar oder Plotter sind sehr willkommen.
Sichere Ankerplätze in Nordreede
Ankern im eigentlichen Stadthafen ist verboten, doch in der Nordreede liegt man sicher: Sie ist vor West- und Nordwind komplett, vor Ost und Südost ausreichend durch Kaimauern und die Werfthallen geschützt. Im Hafen selbst verhindern die Steinmole Richtung Sund und die Strombegrenzung Richtung Knieperteich jeden Schwell; auch bei Starkwind steht allenfalls eine knietiefe Kabbelwelle zwischen den Päckchen. Der Boden im Hafenbecken ist weicher Hafenschlick, die Dalben sind tief gerammt – Festmacher dämpfen hier selbst Sturmböen zuverlässig.
Stadthafen: Komfort und Kultur vereint
Die hellblauen Schwimmstege des Stadthafens bieten Strom und Trinkwasser direkt am Finger, im Liegegeld enthalten. Das moderne Sanitärgebäude wurde 2022 renoviert, bietet Fußbodenheizung, Waschmaschinen, Trockner und ist rund um die Uhr per Chipkarte zugänglich. Diesel tankt man am Kopfsteg der Fischereigenossenschaft; wer Benzin braucht, greift zum Kanister (Tankstelle 800 m). Einkaufsmöglichkeiten liegen in Flip-Flop-Entfernung: Der „Frischemarkt am Hafen“ öffnet täglich ab 07 Uhr, drei Bäckerreien liefern Brötchen bis ans Boot. Große Supermärkte (Edeka, Rewe) sind mit Leih-Fahrrädern oder dem Stadtbus in fünf Minuten erreichbar. Die Holzboot-Werft südlich des Hafenbeckens übernimmt Lack-, Rigg- und Motorarbeiten; ein 40-t-Kran steht direkt am Nordkai. Müll wird getrennt gesammelt, Altöl und Batterien nimmt die Werft kostenlos. Für den Landgang reicht ein kurzer Stegsprung: Auf der Sundpromenade bieten unzählige Kneipen bodenständigen Räucherfisch, Labskaus oder moderne Tapas. Wer Feines sucht, bucht im „Scheel’s“ einen Tisch zwischen Barockgewölben. Und für den Kultur-Snack zwischendurch liegen Ozeaneum und Gorch-Fock-I nur zwei Leinenwürfe entfernt.
Naturerlebnis am Strelasund entdecken
Kaum verlässt man das Kopfsteinpflaster, beginnt eine überraschend grüne Umgebung. Ein Radweg führt entlang des Strelasunds nach Devin: Schilfgürtel, Salzwiesen und mit Glück ein Seeadler über dem Bodden. Wer mit dem Dinghy unterwegs ist, kann bei moderatem Wind die 1,5 sm zur Insel Dänholm übersetzen – dort liegen flache Sandbänke, an denen die Kinder im kniehohen Wasser kleine Plattfische jagen. Unter Wasser bietet der Sund Bodden-typische Sicht (um einen Meter), dafür aber reichlich Krautwiesen mit Hecht- und Zanderbrut; das Angeln ist mit der preiswerten Bodden-Tageskarte erlaubt. Auf Landseite lohnt ein Tagesausflug in den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft – Bus oder Bahn ab Hauptbahnhof, zwölf Minuten Fußmarsch vom Hafen.
Stralsund: Historisches Seemannstheater am Meer
Stralsund ist kein reines Zwischenstopp-Becken, sondern ein Seemannstheater mit UNESCO-Kulisse: Stärken Sichere Dalbenplätze bis 20 m Länge, 3 m Tiefgang – völlig unabhängig von Sturm oder Pegelschwankung. Top-Versorgung (Diesel, 40-t-Kran, Segelmacher, Supermarkt in Sichtweite). Stadtleben direkt unter dem Großbaum: gotische Fassaden, Ozeaneum, Fischbrötchen. Schwächen Ziegelgrabenbrücke zwingt zu Zeitmanagement, besonders für frühe Weiterfahrer nach Hiddensee oder Bornholm. In Hochsaison häufig Päckchenbetrieb – Fenderbretter und gute Nachbarschaftsmanieren mitbringen. Hafenkino bis 23 Uhr laut: Straßencafés, Straßenmusik, Möwen – romantisch, aber nichts für absolute Ruhesucher. Für wen geeignet? Langfahrt-Crews, die vor Wechsel der Ostsee-Etappe noch einmal Großstadtkomfort und Technik-Check suchen. Familien, dank unmittelbar angrenzendem Spielplatz, Meeresmuseum und flach abfallender Badestelle am Dänholm. Kultur-Fans, die nach dem Ablegen eine Glocken-Serenade aus dem 15. Jahrhundert im Rigg nachhallen hören wollen. Ich verlasse Stralsund jedes Mal mit der Gewissheit, dass man nirgends so elegant zwischen Hafenkante und Hanse-Giebel schlendern kann wie hier. Logbuch-Satz: „Stralsund – Pflichtstopp zwischen Bodden und Bornholm.“
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