Raumer Wind bezeichnet Segelkurse, bei denen der wahre Wind aus achterlicher Richtung in einem Winkel von etwa 100 bis 170 Grad zur Schiffslängsachse einfällt. Diese Raumwindkurse liegen zwischen dem Halbwindkurs (90 Grad zum Wind) und dem Vorwindkurs (Wind von hinten) und sind weiter vom Wind weggedreht als die Am-Wind-Kurse (Wind von schräg vorne).
Bei raumem Wind können die Segel weit gefiert werden, da der Wind sie von schräg hinten anströmt. Das Großsegel steht weit ab, oft bis zu einem Winkel von 90 Grad zur Mittschiffslinie. Bei ausreichend Wind kann zusätzlich ein Spinnaker oder Gennaker gesetzt werden, um die Segelfläche zu vergrößern. Da der Wind hauptsächlich von achtern wirkt, ist die Krängung des Bootes deutlich geringer als bei Am-Wind-Kursen oder Halbwind. Das Boot liegt ruhiger im Wasser und kann hohe Geschwindigkeiten erreichen, besonders bei starkem Wind. Auf Jollen kann das Schwert teilweise oder ganz eingezogen werden, da weniger seitliche Abdrift zu erwarten ist.
Raumer Wind gilt als entspannter und komfortabler Segelkurs, erfordert jedoch Aufmerksamkeit bei der Segelführung. Bei nachlassendem oder drehendem Wind oder bei ungewollten Kursänderungen besteht die Gefahr einer Patenthalse, also einer ungewollten Halse, wenn das Großsegel unkontrolliert von einer Seite auf die andere schlägt. Für Segelanfänger sind Raumschotskurse trotzdem gut geeignet, da sie stabiles Segeln ohne komplizierte Segeleinstellungen ermöglichen und die Gefahr des “Stehenbleibens” im Wind gering ist.