Die Höhe der Gezeit bezeichnet den aktuellen Wasserstand zu einem bestimmten Zeitpunkt, gemessen vom Kartennull. Als Bezugspegel dient meist das LAT (Lowest Astronomical Tide, auf Deutsch: niedrigstes astronomisches Niedrigwasser). Der Wasserstand schwankt zwischen Hochwasser und Niedrigwasser in einem etwa 12-stündigen Rhythmus. An den meisten Orten gibt es täglich zwei Hochwasser und zwei Niedrigwasser im Abstand von ungefähr 6 Stunden. Die Gezeitenhöhe wird stark von geografischen Faktoren beeinflusst: Küstenform, Meerestiefe und Trichterwirkung von Buchten können die Werte erheblich verändern. Auch die Mondphasen wirken sich aus, bei Springtide, dem Zeitraum mit den stärksten Gezeiten, sind die Wasserstände extremer als bei Nipptide.
Für die Navigation ist die genaue Kenntnis der Gezeitenhöhe entscheidend, da sie die tatsächlich verfügbare Wassertiefe bestimmt. Der Tidenhub, also der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser, kann je nach Ort zwischen wenigen Zentimetern und über 15 Metern variieren. In Gezeitentafeln und auf modernen Plottern werden die vorhergesagten Wasserstände für jeden Ort und Zeitpunkt angegeben. Besonders in Gebieten mit großem Tidenhub müssen Segler die Gezeitenhöhe bei der Fahrtplanung berücksichtigen.