💡Alles auf einen Blick
💶 Kosten: ab ca. 800 bis 1.200 € (45-Fuß-Yacht)
⏱️ Dauer: meist 2 Tage mit Übernachtung im Transithafen Ismailia
🧑✈️ Agenten- und Lotsenpflicht: beide gesetzlich vorgeschrieben
🛂 Status und Visum: Transit ohne Einreise möglich, Landgänge nur mit Visum und Cruising Permit
📄 Dokumente: Schiffsregisterzertifikat, Crewliste, Funklizenz, Ausklarierungspapiere, Reisepässe, Foto Deiner Yacht
Suezkanal segeln: Geschichte der wichtigsten Abkürzung der Welt
Wer versteht, warum es diese Wasserstraße gibt, versteht auch ihren streng geregelten Betrieb. Die Idee, das Mittelmeer und das Rote Meer zu verbinden, ist über 3.000 Jahre alt. Umgesetzt hat sie Ferdinand de Lesseps, der Mann hinter dem Jahrhundertprojekt: 1859 begann der Kanalbau, nach zehn Jahren Bauzeit wurde der Kanal 1869 eröffnet. Über eine Million Menschen waren am Kanalbau beteiligt und Zehntausende verloren dabei ihr Leben.
Das Ergebnis sind 193 Kilometer Kanal quer durch die Wüste, von Küste zu Küste. Und das ganz ohne Schleusen, denn das Mittelmeer und das Rote Meer liegen auf nahezu gleicher Höhe. Für die Schifffahrt bedeutet der Kanal eine Abkürzung von bis zu 9.000 Kilometern gegenüber dem Weg um das Kap der Guten Hoffnung in Afrika. Er verbindet die Handelsrouten zwischen Europa, Afrika und Asien und zählt damit zu den wichtigsten Wasserstraßen der Welt.
2015 kam nach nur einem Jahr Bauzeit eine zweite, 35 Kilometer lange Fahrrinne dazu, weitere 37 Kilometer wurden vertieft. In normalen Jahren passieren täglich rund 50 Schiffe den Kanal und etwa 12 % des weltweiten Seehandels laufen durch dieses eine Nadelöhr: Containerschiffe, Tanker, selbst Kreuzfahrtschiffe wie die der AIDA.
Vorbereitung und Orientierung
Wer den Suezkanal passieren möchte, sollte die Anreise, den richtigen Zeitpunkt und die aktuelle Sicherheitslage in seine Planung einbeziehen.
Die beste Reisezeit
Der Zeitpunkt Deiner Fahrt durch den Suezkanal sollte sich in erster Linie nach den vorherrschenden Windverhältnissen und den Wetterbedingungen im östlichen Mittelmeer richten. Als beste Reisezeit gelten das Frühjahr (März bis Mai) sowie der Spätherbst (Oktober bis November). Dann sind Temperaturen und Wetterlage meist stabil. In den Sommermonaten steigen die Temperaturen am Kanal häufig auf über 40 °C. Gleichzeitig weht der Wind über dem Roten Meer überwiegend kräftig aus Norden. Für Yachten mit Ziel Mittelmeer bedeutet das lange Kreuzschläge gegen Wind und Welle, während die Fahrt Richtung Süden meist der angenehmere Teil ist.
Im Winter sorgen Tiefdruckgebiete über dem Mittelmeer regelmäßig für eine wechselhafte Wetterlage. Besonders im Bereich der Zufahrten vor Port Said drohen dann starke Winde und grober Seegang. Wer flexibel planen kann, findet im Frühjahr und Herbst meist die günstigsten Bedingungen.
Ja, mit einer privaten Yacht ist die Passage durch den Suezkanal erlaubt und gängige Praxis.
Im Frühjahr (März – Mai) und im Spätherbst (Oktober – November).
Sicherheitslage: Das Rote Meer und der Golf von Aden
Der Golf von Aden und das südliche Rote Meer gelten seit den Angriffen auf die Handelsschifffahrt als Risikozone und die Lage kann sich jederzeit ändern, deshalb solltest Du vor jeder Passage die aktuellen Hinweise der Behörden und maritimen Sicherheitszentren für die Regionen prüfen.
Für Fahrtenyachten haben sich diese Maßnahmen etabliert:
Registrierung bei UKMTO, damit Dein Schiff im Ernstfall bekannt ist; militärischer Schutz gilt vorrangig der Handelsschifffahrt.
AIS bewusst nutzen: Viele Crews senden in der Risikozone kein Signal und empfangen nur. Wer stumm fährt, sollte dafür bei UKMTO und regelmäßig Position melden, sonst bist Du auch für die Marineverbände unsichtbar.
Route flexibel halten: Warnungen können kurzfristig eine alternative Route nötig machen.
Yachttransport als Alternative: Manche Eigner verschiffen ihre Yacht zwischen Mittelmeer und Indischem Ozean.
Durch den Golf von Suez: Die letzte Etappe vor dem Suezkanal
Zwischen dem offenen Roten Meer und Port Suez liegt der rund 300 Kilometer lange Golf von Suez. Der Wind steht hier fast immer auf der Nase, dazu kommen Bohrplattformen, Untiefen und Wracks abseits der Fahrrinne.
Mitten im Golf verläuft außerdem ein Verkehrstrennungsgebiet für die Berufsschifffahrt. Du bleibst am besten außerhalb der Einbahnspuren und kreuzt sie nur, wenn es sein muss, möglichst im rechten Winkel. Viel Platz hast Du dafür allerdings nicht, denn der Golf ist im Schnitt nur rund 27 bis 33 Kilometer breit.
Viele Crews stoppen auf dem Weg zum Kanal noch in Sharm el Sheik am Sinai und warten dort vor Anker auf ein passendes Wetterfenster. Plane für diese Passage eine großzügige Reserve ein, die reine Distanz kann täuschen.
Port Said oder Port Suez: Wo beginnt die Passage?
Der Startpunkt am Suezkanal richtet sich schlicht nach der Richtung, in der Du unterwegs bist:
Von Nord nach Süden (Mittelmeer → Rotes Meer): Deine Anlaufstelle ist Port Said: festmachen, Formalitäten mit dem Agenten erledigen, ersten Lotsen an Bord nehmen.
Von Süden nach Norden (Rotes Meer → Mittelmeer): Der Transit beginnt in Port Suez. Nach der Einklarierung startet die Fahrt von hier aus Richtung Norden.
Egal aus welcher Richtung Du kommst: Beide Häfen sind eine Art Sammelbecken, in denen die Konvois zusammengestellt werden und Yachten auf den Kanallotsen warten.
Kosten der Suezkanal-Passage
Für viele Skipper gehören die Kosten der Passage zu den größten Unsicherheitsfaktoren der Planung. Zwar veröffentlicht die Suez Canal Authority (SCA) eine offizielle Gebührenordnung, tatsächlich setzt sich der Endbetrag aber aus deutlich mehr Positionen zusammen. Neben den Kanalgebühren fallen Agenturkosten, Marina- und Liegegebühren, behördliche Abgaben sowie das in Ägypten übliche Bakschisch an.
Zum realistischen Kalkulieren zuerst eine Beispielrechnung für eine typische Fahrtenyacht, danach die einzelnen Posten im Detail.
Beispielrechnung: Mit diesen Gesamtkosten solltest Du rechnen
| Kostenpunkt | Richtwert | Hinweise |
|---|---|---|
| Kanalgebühren inkl. Vermessung | 350–500 €≈ 42 % der Gesamtkosten | abhängig von der Bruttoraumzahl (SC.G.T) und aktuellen SCA-Zuschlägen |
| Agenturhonorar | 250–350 €≈ 30 % | Organisation des gesamten Transits und Behördenabwicklung |
| Marina- und Liegegebühren | 100–150 €≈ 13 % | Port Said bzw. Suez sowie Ismailia |
| Behördenabgaben | 50–80 €≈ 7 % | verschiedene Hafen- und Sicherheitsgebühren |
| Bakschisch | 50–100 €≈ 8 % | Lotsen, Festmacher und weitere Helfer |
| Gesamtkosten | ca. 800–1.200 € | Richtwert für eine typische 45-Fuß-Yacht |
Hinweis: Stand 28.07.2026. Abweichungen sind aufgrund regelmäßiger Aktualisierungen der Gebühren üblich. Balkenlänge im Verhältnis zum größten Kostenpunkt.
Wovon hängen die Kosten ab?
Zwei Yachten mit derselben Länge zahlen nicht zwangsläufig denselben Preis. Der wichtigste Berechnungsfaktor ist die Bruttoraumzahl (Suez Canal Gross Tonnage, SC.G.T). Diese spezielle Vermessungsgröße der Kanalbehörde beschreibt vereinfacht das Schiffsvolumen, wird aus den Abmessungen des Schiffes berechnet und bildet die Grundlage der offiziellen Transitgebühren.
Zusätzlich können diese Faktoren den Endpreis verändern:
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Schiffstyp und Vermessung: Einrumpfboote werden nach ihren Geometriemaßen (Länge, Breite, Tiefgang) berechnet, Katamarane hingegen nach der Gross Tonnage (GT).
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aktuelle SCA-Zuschläge (Surcharges)
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Wechselkurs zwischen USD und EUR
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Agentur und deren Leistungsumfang
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Anzahl der Marinaübernachtungen
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individuelle Ausgaben für Versorgung und Bakschisch
Eine 15-m-Einrumpfyacht liegt bei ca. 363 €, ein 45-Fuß-Katamaran (ca. 40 GT) bei knapp 286 € (Stand 28.07.2026). Preisangaben aus dem Internet solltest Du deshalb immer als eine Orientierung verstehen, nicht als verbindliche Endsumme.
Kanalgebühren und Agenturkosten
Den größten Einzelposten bilden die offiziellen Gebühren der SCA für den Suezkanal. Nach der Ankunft vermisst die Behörde Deine Yacht und aus der Bruttoraumzahl ergeben sich dann die Transitgebühren. Zeitweise kommen Zuschläge (Surcharges) dazu. Die letzte Anpassung der Surcharges erfolgte am 07.06.2026.
🔗 Offizieller Gebührenrechner: Über den SCA Yacht Calculator kannst Du die reine Maut vorab schätzen lassen.
SDR-Rate richtig eingeben: Das Formular verlangt den SDR-Tageskurs. In der verlinkten SDR-Übersicht nimmst Du die untere Tabelle („Currency units per SDR“) und dort den Euro-Wert (z. B. 1.183940 am 07.08.2026). Die obere Tabelle führt zu einem falschen Ergebnis. Die Rate verändert sich täglich.
Ebenso verpflichtend ist der Einsatz eines lokalen Agenten (Art. 2 der Rules of Navigation), eigenständig geht es in der Praxis nicht. Zu den bekanntesten Anbietern zählen die Felix Maritime Agency und Prince of the Red Sea, beide auf den Transit von Fahrtenyachten spezialisiert.
Weitere Nebenkosten und Liegegebühren
Einzeln wirken die Nebenkosten überschaubar, zusammen ergeben sie schnell eine dreistellige Summe:
Marina- und Liegegebühren: für Port Said oder Suez sowie den Pflichtstopp in Ismailia.
Versorgung: Diesel, Wasser oder Lebensmittel organisiert der Agent, häufig mit Serviceaufschlag.
Behördengebühren: je nach Hafen Zuschläge für Kontrollen oder einzelne Verwaltungsakte.
Sonstige Ausgaben: Taxi, eine SIM-Karte, kleinere Einkäufe oder zusätzliche Hafentage.
Bakschisch: Was ist üblich?
Bakschisch ist das in Ägypten allgegenwärtige Trinkgeld und gehört vielerorts zum Alltag, so auch am Suezkanal. Gemeint sind keine offiziellen Gebühren, sondern freiwillige Geld- oder Sachgeschenke, die vielerorts erwartet werden. Besonders üblich ist das Bakschisch für Kanallotsen, Festmacher, Beibootfahrer und Hafenpersonal. Neben ein paar Geldscheinen kommen auch eine Stange Zigaretten, Süßigkeiten oder neuwertige Kleidung gut an.
Bürokratie & Dokumente
Die organisatorische Vorbereitung ist sicherlich nicht ganz ohne, aber sie folgt festen Mustern. Die folgenden Informationen sind Grundlage für Deine Reise.
Transit oder Einreise: Was gilt für Segler?
Bevor die ersten Formulare ausgefüllt werden, musst Du eine grundlegende Entscheidung treffen: Soll der Kanal nur zügig durchquert werden oder planst Du einen Aufenthalt in Ägypten?
Status „Yacht in Transit“: Er gilt, wenn Du den Kanal nur durchqueren möchtest, ein Visum ist dann nicht nötig. Dein Radius bleibt aber strikt auf die Marina-Gelände der Transithäfen beschränkt, Landausflüge sind tabu.
Einreise nach Ägypten mit Visum und Cruising Permit: Wenn Du Landgänge unternehmen, Städte wie Kairo besuchen oder weitere ägyptische Häfen anlaufen möchtest, benötigst Du ein Visum sowie ein Cruising Permit. Das gilt auch, wenn Du zuvor schon in Hurghada oder Port Ghalib einklariert warst.
Welche Dokumente werden benötigt?
Die Behörden in Ägypten und Dein Agent verlangen eine Reihe von Originaldokumenten samt Mehrfachkopien. Ganz wichtig: Einfache Kopien reichen nicht, Du musst die Originale an Bord haben. Rechne für die Bearbeitung der Papiere für den Suezkanal etwa zwei Tage ein.
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Schiffsregisterzertifikat (Certificate of Registry)Eigentums- und Registrierungsnachweis
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Reisepässe aller CrewmitgliederIdentitätsnachweis
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CrewlisteAlle mitreisenden Personen für Anmeldung
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Zarpe (Ausklarierungspapiere)Nachweis des letzten Ausklarierungshafens
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HaftpflichtversicherungVersicherungsnachweis für das Fahrtgebiet
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UKW-SprechfunklizenzNachweis der Funkberechtigung
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Foto der YachtIdentifikation des Schiffes
Oft übersehen: Die Funklizenz gehört zur Yacht, bedienen darfst Du die Anlage nur mit eigenem Funkschein, und auf dieser Route funkst Du täglich. Das SRC machst Du bei uns komplett online und in Deinem Tempo: SRC-Funkschein bei Bootsschule1.
Warum ist ein Agent erforderlich?
Die Anmeldung einer Sportyacht bei der Kanalbehörde erfolgt in der Praxis nicht eigenständig, sondern über einen zugelassenen lokalen Agenten. Er fungiert als eine Art Schnittstelle zwischen Skipper und den verschiedenen Hafen- und Kanalbehörden. Er meldet die Yacht an, reicht die Dokumente ein, organisiert Vermessung und Kanallotsen, spricht mit Hafen- und Militärbehörden und hilft bei Liegeplatz und Versorgung. Ohne Agenten ist der Transit für eine Fahrtenyacht praktisch nicht machbar.
Felix Maritime oder Prince of the Red Sea?
Für den Yachttransit haben sich insbesondere zwei Agenturen etabliert:
Felix Maritime Agency betreut hauptsächlich Yachten, die ihre Fahrt in Port Said beginnen und vom Mittelmeer in Richtung Süden unterwegs sind.
Prince of the Red Sea (Captain Heebi) ist insbesondere für Transite ab Port Suez bekannt und wird häufig von Crews genutzt, die vom Roten Meer aus in das Mittelmeer wollen.
Beide Agenturen übernehmen die behördliche Abwicklung und verfügen über langjährige Erfahrung mit internationalen Fahrtenseglern. Für die Einklarierung in Port Ghalib ist vor Ort übrigens die Agentur Nasco zuständig.
Neben den etablierten Partnern gibt es weitere von der Behörde zugelassene Dienstleister. Eine tagesaktuelle Liste aller registrierten Agenten findest Du im Navigation Agents Directory der Suez Canal Authority.
So läuft die Zusammenarbeit mit dem Agenten ab
Der Weg zum Transit führt immer über den Agenten. Du nimmst einige Tage vor Deiner Ankunft Kontakt auf und schickst Du digitale Kopien: Reisepässe, Crewliste, ein Foto der Yacht, Registrierungsnachweis. So sind viele Formalitäten schon erledigt. Vor Ort in Ägypten spricht der Agent mit den Behörden und koordiniert alles bis zur Freigabe. Den genauen Ablauf im Suezkanal zeigen wir jetzt im Detail.
Die Passage Schritt für Schritt
Nach den Formalitäten beginnt die eigentliche Fahrt durch den Suezkanal: zwei Tage, im Konvoi, mit amtlichem Kanallotsen an Bord. Der Ablauf ist standardisiert und in beide Richtungen fast identisch.
Vorbereitung vor dem Ablegen
Der Morgen der Passage beginnt sehr früh: Laut Richtlinie der SCA (Circular No. 5/2015) starten die Hauptkonvois ab Port Said bzw. Suez bereits zwischen 03:30 Uhr und 04:00 Uhr.
Cockpit und Verpflegung: Bereite Verpflegung und Kaffee für Crew und Lotsen vor. Gastfreundschaft wird in Ägypten großgeschrieben und sorgt von Anfang an für gute Stimmung an Bord.
Deck und Leinen: Lange Festmacherleinen und Fender auf beiden Seiten bereithalten.
Bakschisch und Gastgeschenke: Lege das Bakschisch bereit, um es dem Lotsen am Ende der Etappe zu überreichen.
Vermessung, Anmeldung und Empfang des Lotsen
Noch in der Dunkelheit kommt Dein Lotse per Beiboot längsseits oder steigt direkt an der Mole über. Er ist von der SCA zugewiesen und begleitet Dich auf dem ersten Abschnitt im Kanal.
Rollenverteilung: Offiziell übernimmt der Lotse das Kommando und schlägt den Kurs vor. Das Steuern bleibt meist in Deiner Hand, Du kennst Dein Schiff am besten.
Vermessung: Falls Dein Schiff noch nicht im Register der Behörde steht, wurde die Bruttoraumzahl bereits am Vortag durch den Vermesser ermittelt. Die Daten liegen dem Lotsen vor.
UKW-Funk: Dein Lotse hält über Seefunk Kontakt zur Port Control und zum Verband.
Die Etappen der Passage
Von Port Said / Port Suez bis Ismailia
📍 (ab Port Said ca. 80 km; ab Suez ca. 115 km)
Die erste Tagesetappe führt im Suezkanal gemeinsam mit der Berufsschifffahrt bis nach Ismailia, mitten durch die Wüste.
- Kurs und Abstand: Halte die vorgeschriebenen 5 Knoten und Abstand zum Vorderschiff, Sog und Heckwellen der Containerschiffe sind kräftig.
- Ufer und Landmarken: Die Strecke führt vorbei an Militärposten und Sanddünen, der Wind trägt feinen Sand aufs Deck. Achte auf die Fischerboote und Langustenfallen.
- Ankunft am Timsahsee: Gegen Nachmittag ist das Ziel der Etappe erreicht: Der erste Lotse geht von Bord, und Du übergibst ihm sein Bakschisch.
Pflichtstopp in Ismailia
Ismailia liegt etwa auf einem Drittel der Strecke ab Port Said, dient allen Yachten als obligatorischer Übernachtungsstopp und ist der Ort des Lotsenwechsels.
- Festmachen: Du gehst entweder an eine Muringboje oder steuerst die SCA-Yachtmarina von Ismailia an.
- Regeln vor Ort: Im Status „Yacht in Transit“ darfst Du den Bereich der Marina nicht verlassen, bunkerst über das Personal aber Wasser und Diesel.
- Wetterfenster abwarten: Viele Crews nutzen Ismailia, um bei zu viel Wind auf ein passendes Fenster für die Weiterfahrt zu warten.
Von Ismailia bis zur Ausfahrt
📍 (Streckenlänge: weiter nach Suez ca. 115 km; weiter nach Port Said ca. 80 km)
Am nächsten Morgen geht die Passage zwischen 04:00 und 05:00 Uhr weiter. Der zweite Lotse kommt an Bord und bringt Dich durch den verbleibenden Kanalabschnitt bis zum offenen Meer.
- Die Bitterseen: Zwischen Ismailia und Suez passierst Du die Bitterseen, der Kanal verbreitert sich, die Navigation entspannt, dann wird die Fahrrinne wieder eng.
- Die Suezkanal-Brücke: Zwischen Ismailia und Port Said unterquerst Du die gewaltige Mubarak-Friedensbrücke. Ein optisches Highlight.
- Ausfahrt ins Meer: Sobald Du Port Said im Norden bzw. Suez im Süden erreichst, endet das Konvoisystem. Ein Lotsenboot kommt längsseits, holt Deinen Lotsen ab, und er meldet Dich offiziell bei den Behörden ab.
- Freie Fahrt: Du übergibst das zweite Bakschisch und setzt Deine Reise auf See fort. Nach zwei intensiven Tagen bleibt die Durchfahrt ein Erlebnis, das kaum ein Skipper vergisst.
Versorgung & Infrastruktur entlang der Route
Entlang der Suezkanal-Route stockst Du Vorräte auf, bereitest das Schiff vor oder überbrückst Wartezeiten. Die Übersicht zeigt die Lage an den wichtigsten Punkten, danach die Details je Hafen.
Häfen & Marinas entlang der Suezkanal-Route
Von Süd nach Nord · Stand: Juli 2026
| Ort | Funktion | Diesel | Wasser | Einkauf | Technik | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Port Ghalib | Einreisehafen Rotes Meer | Keine Einfahrt nachts. Hohe Einreisegebühren. | ||||
| Port Suez | Einklarierung nordwärts | * | Günstigste Einklarierung. Trinkwasser filtern. | |||
| Ismailia | Pflicht-Übernachtung | * | Beste Marina der Route. Marina nicht verlassen (gilt als Einreise). | |||
| Port Said | Einklarierung südwärts | * | Klarierung gebührenfrei. Direkt weiter nach Zypern/Kreta. |
Marinas: Die SCA modernisiert ihre Yacht-Marinas in allen drei Kanalstädten; voll ausgebaut ist bislang Ismailia. Aktuellen Stand in Suez und Port Said vor der Ankunft beim Agenten erfragen.
Technik: Kein Hafen bietet eine Vollwerft. Eingeschränkt = Basisservice bzw. Slipanlage vor Ort, über Agent = organisierbar. Größere Arbeiten besser in Aqaba (Jordanien) oder im Mittelmeer einplanen.
Port Ghalib: Letzte Vorbereitung vor dem Suezkanal
Für Crews aus dem Roten Meer ist Port Ghalib häufig der letzte größere Versorgungsstopp vor der Weiterfahrt nach Port Suez. Die moderne Marina bietet eine sehr gute Infrastruktur mit Dieselversorgung, Einkaufsmöglichkeiten und technischen Dienstleistungen. Gleichzeitig ist der Hafen eine gute Gelegenheit, Schiff und Crew auf die kommende Fahrt vorzubereiten und die Formalitäten abzuschließen. Vor Ort unterstützt Dich dabei die Agentur Nasco.
Port Suez: Der südliche Startpunkt
In Port Suez beginnt der Transit für Yachten aus dem Roten Meer. Hier erfolgen die letzten organisatorischen Vorbereitungen, bevor der Agent das Schiff für den Transit anmeldet und der Kanallotse an Bord kommt. Wasser, Diesel und grundlegende Versorgung sind vor Ort verfügbar, das Leitungswasser solltest Du allerdings nur gefiltert trinken.
Ismailia: Der Pflichtstopp auf halber Strecke
Die Yachtmarina von Ismailia ist der obligatorische Übernachtungsstopp am Suezkanal. Sie bietet Duschen, Waschmaschinen, WLAN, dazu Wasser und Diesel. Befindet sich Dein Schiff während der Passage im Status „Yacht in Transit“, ist das Verlassen des Geländes nicht gestattet. Kleinere Besorgungen kannst Du aber häufig über das Personal oder den Agenten organisieren, der Dir hier ohnehin zur Seite steht. Das Leben an Bord entschleunigt für einen Abend.
Port Said: Der nördliche Startpunkt
Port Said bildet die nördliche Einfahrt des Kanals und ist Ausgangspunkt für Transite vom Mittelmeer aus. Gleichzeitig endet hier die Fahrt für Crews aus südlicher Richtung. Vor dem Transit folgen die letzten Behördengänge und, falls nötig, die Vermessung. Einkauf und Geldautomaten liegen nah am Hafen.
Vorschriften & Verhalten im Suezkanal
Während der Fahrt durch den Suezkanal gelten die Vorschriften der SCA. Yachten befahren den Kanal nur bei Tageslicht, Verstöße führen zu Verzögerungen, Zusatzkosten oder Bußgeldern.
Wer ganz ohne Lotsen fährt, riskiert Berichten zufolge eine Strafe von 22.500 US-Dollar.
Konvoi-System und Navigation
Alle Sportboote durchfahren den Kanal im geschlossenen Verband. Die Reihenfolge legt die Behörde fest, eine eigenmächtige Änderung ist tabu.
🧭 Behördliche Vorgaben für den Konvoi (gemäß SCA Circular No. 5/2015)
- Konvoistart: Der Konvoi in Richtung Süden (ab Port Said) startet offiziell um 03:30 Uhr, der Konvoi nach Norden (ab Suez) um 04:00 Uhr.
- Deadline (Limit Time of Arrival): Deine Yacht muss bis spätestens 23:00 Uhr am Vorabend im Wartebereich angekommen und angemeldet sein.
- Achtung bei Verspätung: Wer später kommt, verpasst den Verband oder zahlt Verspätungszuschläge (Late Arrival Surcharges)
Während der gesamten Fahrt gelten insbesondere diese Regeln:
Mindestgeschwindigkeit: mindestens 5 Knoten über Grund, sofern keine andere Anweisung erfolgt.
Überholverbot: Überholen innerhalb des Konvois ist grundsätzlich nicht erlaubt.
Abstand halten: Vor allem hinter großen Frachtern entstehen Sog- und Welleneffekte, die Dich im engen Kanal versetzen können.
Funkkontakt: Der Kanallotse übernimmt die Kommunikation mit der Port Control. Eigene Funksprüche erfolgen nur bei Bedarf.
Sicherheitsvorschriften
Drohnenverbot: Das Mitführen und Verwenden von Drohnen ist im Kanalgebiet verboten.
Anker nur im Notfall: Vor Anker gehen darfst Du ausschließlich nach Anweisung des Lotsen oder der Behörden.
Motor jederzeit einsatzbereit: Da die Fahrt ausschließlich unter Motor erfolgt, solltest Du den Motor vor dem Transit gründlich überprüfen und ausreichend Diesel bunkern. Die gesamte Passage läuft unter Maschine.
Verhalten bei technischen Problemen
Ein Motorschaden gehört zu den wenigen Situationen, die den gesamten Verband beeinträchtigen können. Im Ernstfall gehst Du ruhig und strukturiert vor:
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Den Kanallotsen sofort informieren, er meldet das Schiff bei der Port Control.
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Den Anweisungen der Behörde folgen.
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Den eigenen Agenten kontaktieren, der bei Schlepphilfe und Kommunikation unterstützt.
Eigenmächtige Manöver unterlassen.
Nein. Segelyachten fahren hier ausschließlich unter Motor.
Häufige Fehler und praktische Tipps für Skipper
Vor dem Ablegen alle Dokumente kontrollieren.
Den Lotsen als Gast behandeln. Kaffee, Wasser oder kleine Snacks schaffen eine angenehme Atmosphäre an Bord.
Fender und lange Leinen griffbereit halten.
Bargeld in kleinen Scheinen bereithalten.
Radarreflektor setzen. Im Golf von Suez und zwischen den Frachtern bist Du damit für die Berufsschifffahrt deutlich besser sichtbar.
Quellen und weiterführende Informationen
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Suez Canal Authority: Rules of Navigation (Agenten- und Lotsenpflicht, Verkehrsregeln)
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SCA: Yacht Tolls Calculator (offizieller Gebührenrechner)
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SCA: Navigation Circulars (Zuschläge, u. a. PC 25/2026)
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SCA: Navigation Agents Directory (zugelassene Agenten)
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IWF: SDR-Wechselkurse (Currency units per SDR)
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Noonsite Egypt (Hafeninfos, Gebühren, Status der Yachtclubs)
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UKMTO (Sicherheitslage Rotes Meer / Golf von Aden)
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Port Ghalib International Marina (Einreisehafen, Services)
Alle Angaben ohne Gewähr, Gebühren und Vorschriften ändern sich laufend. Verbindliche Auskünfte: Dein Agent und der Suezkanal-Betreiber SCA.
Du bist bereit, durch den Suezkanal zu segeln? Den passenden Bootsführerschein und den für die Passage benötigten SRC-Funkschein, kannst Du bei Uns – Bootsschule1 – online und in Deinem Tempo absolvieren!